Schonzeiten und Mindestmaße aller 16 Bundesländer Stand der Verordnungen: 30.09.2026
Schlammpeitzger, kolorierter Kupferstich aus Blochs Naturgeschichte der Fische (1782–84)
Illustration: Marcus Elieser Bloch, Oeconomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands (1782–84) / Wikimedia Commons (gemeinfrei)

Schlammpeitzger: Merkmale, Größe und Lebensraum

Der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis), auch Furzgrundel genannt, ist ein aalartiger Fisch schlammiger Stillgewässer, der bis zu 30 cm lang wird, zehn Barteln am Maul trägt und zusätzlich über den Darm Luft atmen kann. Er steht im Anhang II der FFH-Richtlinie, gilt nach der Roten Liste von 2023 bundesweit als gefährdet und ist in fast allen Bundesländern ganzjährig geschützt; ein Zielfisch ist er nicht. Dieser Steckbrief nennt Größe, Merkmale, Lebensraum, Nahrung und Laichzeit mit Quelle, erklärt die Darmatmung und zeigt die Regeln in allen 16 Bundesländern.

Schlammpeitzger-Steckbrief: Größe, Laichzeit und Schutzstatus auf einen Blick

Der Schlammpeitzger wird üblicherweise 15 cm, höchstens etwa 30 cm lang und laicht meist von April bis Juni. Die Werte stammen aus FishBase, dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), der Roten Liste der Süßwasserfische Deutschlands von 2023, dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), dem Niedersächsischen Landesamt LAVES, dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) und dem österreichischen Bundesministerium BMLUK; die Quellen sind am Ende der Seite aufgeführt.

Merkmal Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis)
Wissen­schaft­licher Name Misgurnus fossilis Linnaeus, 1758
Weitere Namen Europäischer Schlammpeitzger, Furzgrundel, Piepaal; im englischsprachigen Raum Wetterfisch (weatherfish, nach dem LAVES)
Familie Cobitidae (Dornschmerlen)
Länge üblich 15 cm; höchstens etwa 30 cm (Gesamtlänge, TL; ein Weibchen mit 30,7 cm TL ist belegt)
Gewicht und Höchstalter in den geprüften Quellen nicht angegeben
Geschlechts­reife mit etwa 2 Jahren
Laichzeit meist April bis Juni; nach dem BfN bis Juli
Lebensraum stehende oder schwach fließende Gewässer mit lockerem Schlammboden und dichtem Pflanzenwuchs: Altarme, Gräben, Teiche, Weiher
Nahrung Insektenlarven, Schnecken, Würmer und andere Wirbellose vom Gewässergrund
Raub- oder Friedfisch Grenzfall: im engeren Sinn keins von beiden, frisst überwiegend Wirbellose
Atmung Kiemen und Haut, bei Sauerstoffmangel zusätzlich der Darm (Darmatmung)
Verbreitung nördlich der Alpen von der Maas bis zum Wolgadelta; in Deutschland besonders im Norddeutschen Tiefland
Schutz und Gefährdung FFH-Richtlinie Anhang II (EU-Code 1145); Rote Liste Deutschland 2023: Kategorie 3, gefährdet (zuvor stark gefährdet). Weltweit (IUCN, 2023): Least Concern

Wie sieht der Schlammpeitzger aus? Zehn Barteln und schleimige Haut

Der Schlammpeitzger hat einen langgestreckten, aalähnlichen Körper mit rundem Querschnitt, eine schleimige Haut und zehn Barteln am unterständigen, zahnlosen Maul. Das HLNUG zählt genauer: sechs Barteln am Oberkiefer und vier fadenartige Fortsätze der Unterlippe, die fast so lang sind wie die Barteln, sodass der Eindruck von zehn Barteln entsteht. Das österreichische BMLUK und die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) schreiben schlicht von zehn Barteln; mit ihnen ertastet der Fisch in der Dämmerung und nachts Wirbellose am Gewässergrund.

Trotz der schleimigen Haut ist der Körper mit kleinen Schuppen besetzt, die Augen sind sehr klein. Der Kopf ist bräunlich bis rötlich, Bauch und Seiten sind gelb, und vom Kopf bis zur Schwanzwurzel verlaufen ein breiter und zwei schmalere dunkle Streifen. Bauch- und Afterflosse sind gelblich bis orange, die übrigen Flossen braun (alle Angaben HLNUG). Ab etwa 12 bis 14 cm Länge lassen sich die Geschlechter unterscheiden: Männchen haben längere, spitzere Brustflossen mit verdicktem zweitem Strahl und eine seitliche Ausbuchtung an der Schwanzwurzel.

Wie groß wird ein Schlammpeitzger? Üblich 15 cm, höchstens etwa 30 cm

Ein Schlammpeitzger wird höchstens etwa 30 cm lang, üblich sind nach FishBase 15 cm. FishBase nennt 30,0 cm Gesamtlänge (TL) als Höchstwert für Männchen und nicht nach Geschlecht bestimmte Tiere sowie 30,7 cm TL für ein in den Niederlanden gemessenes Weibchen; das BfN, das HLNUG, die KEA-BW und das BMLUK schreiben übereinstimmend „bis zu 30 cm“. Weibchen werden im Durchschnitt etwas länger und schwerer als Männchen (HLNUG). Junge Tiere wachsen schnell und erreichen nach dem LAVES schon im ersten Herbst bis zu 12 cm. Zu Gewicht und Höchstalter enthalten die geprüften Quellen keine Angaben.

Wie atmet der Schlammpeitzger? Zusätzlich über den Darm

Der Schlammpeitzger schluckt bei Sauerstoffmangel Luft an der Wasseroberfläche und nimmt den Sauerstoff über den Darm auf. Nach dem LAVES leitet er die Luft in den Enddarm, dessen Ende extrem dünnwandig und von feinen Blutgefäßen durchzogen ist; dort findet der Gasaustausch statt (akzessorische Darmatmung). Daneben deckt er seinen Bedarf nach der KEA-BW auch über Kiemen und Haut. Dadurch überlebt er in sauerstoffarmen Gewässern und, im feuchten Schlamm eingegraben, auch Trockenphasen: nach dem LAVES mehrere Monate. Jungfische können das noch nicht, denn die Darmatmung entwickelt sich laut LAVES erst im Laufe des ersten Lebensjahres.

Warum heißt der Schlammpeitzger Furzgrundel und Wetterfisch?

„Furzgrundel“ und „Piepaal“ sind Volksnamen, die auf die Darmatmung zurückgehen: Entweicht die überschüssige Luft über den Darm, ist das hörbar (KEA-BW); das BMLUK nennt ihn ebenfalls Furzgrundel. Eine Grundel ist der Fisch trotzdem nicht, er gehört zu den Dornschmerlen (Cobitidae; BfN, FishBase). Der Name Wetterfisch geht auf sein Verhalten bei Wetterwechseln zurück: Auf plötzliche Luftdruckschwankungen, etwa vor Gewittern, reagiert er nach dem LAVES auch tagsüber mit gesteigerter Aktivität, und diese Eigenschaft brachte ihm im englischsprachigen Raum die Bezeichnung „Wetterfisch“ (weatherfish) ein. Dass er das Wetter zuverlässig vorhersagt, belegen die geprüften Quellen nicht.

Wo lebt der Schlammpeitzger? In Altarmen, Gräben und Teichen mit Schlammboden

Der Schlammpeitzger lebt in stehenden oder schwach fließenden Gewässern mit lockerem Schlammboden und dichtem Pflanzenwuchs. Das BfN nennt Seen, Teiche, Weiher, Auengewässer und Altarme als Lebensraum; ursprünglich lebte die Art in Auengewässern, heute findet man sie nach dem BfN vorwiegend in Gräben, kleinen Seen, Teichen und Weihern. Nach dem LAVES liegt auf dem Grund eine etwa 30 bis 60 cm dicke Schlammschicht, bevorzugt wird weichblättriger Bewuchs wie Wasserpest, Wasserfeder oder Wasserstern, während der freie Wasserkörper sowie Grobsand und Kies gemieden werden. Tagsüber versteckt sich der Fisch in Wasserpflanzen oder im Schlamm, im Winter ruht er von etwa Mitte Oktober bis Mitte März im Gewässergrund (LAVES).

Bei Trockenheit und Frost gräbt er sich ein: FishBase nennt meist 20 bis 30 cm, gelegentlich bis zu 70 cm Tiefe, das LfU Bayern bis zu 50 cm. Bei Regen unternimmt er nach dem LfU kurze Wanderungen über Land. Mitbewohner sind nach dem LAVES oft Kleinfische wie Stichling und Bitterling oder Stillwasserarten wie Schleie und Karausche.

Wo kommt der Schlammpeitzger in Deutschland vor? Vor allem im Norddeutschen Tiefland

Der Schlammpeitzger hat seinen Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland im Norddeutschen Tiefland und ist dort vor allem in Ostdeutschland weit verbreitet (BfN). Weitere Vorkommen liegen am Oberrhein und in Nebengewässern der Donau (LAVES, HLNUG); in den Mittelgebirgen fehlt er in der Regel (HLNUG). In Bayern und in Baden-Württemberg gilt er als vom Aussterben bedroht (LfU, KEA-BW). In Hessen gibt es nach dem HLNUG fünf ursprüngliche Populationen, vor allem in der Oberrheinebene und in der Wetterau. Europaweit reicht das Verbreitungsgebiet nördlich der Alpen von der Maas bis zum Wolgadelta; in Skandinavien und im Mittelmeergebiet fehlt die Art (BfN, FishBase).

Was frisst der Schlammpeitzger? Insektenlarven, Schnecken und Würmer

Der Schlammpeitzger frisst vor allem wirbellose Tiere vom Gewässergrund. Nach dem LAVES bevorzugt er Insektenlarven, Schnecken, Würmer und andere Wirbellose, die er mit den Barteln ertastet; pflanzliche Bestandteile machen nur einen geringen Teil aus. FishBase nennt Insektenlarven und kleine Weichtiere, das BfN Krebstiere, Insektenlarven und Pflanzenteile. Auf Nahrungssuche geht er in der Dämmerung und nachts; im Winter nimmt er deutlich weniger Nahrung auf (LAVES).

Ist der Schlammpeitzger ein Raubfisch?

Der Schlammpeitzger ist im Sinne der Angelfischerei kein Raubfisch, weil er überwiegend Wirbellose frisst. Zu den klassischen Friedfischen zählt er ebenfalls nicht; die Übersicht Friedfische führt ihn deshalb als Grenzfall, die Übersicht Raubfische enthält die Arten, die als erwachsene Tiere überwiegend Fische fressen.

Wann laicht der Schlammpeitzger? Meist von April bis Juni

Der Schlammpeitzger laicht im Frühjahr und Frühsommer, meist von April bis Juni. LAVES, LfU Bayern, KEA-BW und der sächsische Kartierschlüssel nennen April bis Juni, das BfN April bis Juli; das LfU gibt Wassertemperaturen von mehr als 16 °C an. Ein Weibchen legt nach dem BfN zwischen 12.600 und 170.000 Eier, und die Tiere werden mit etwa zwei Jahren geschlechtsreif. Die Eier werden nach dem BfN teils an Wasserpflanzen geheftet, teils liegen sie frei auf dem Gewässergrund; beim Laichen umschlingt das Männchen das Weibchen (LfU, FishBase). Zum Ablaichen wandern die Tiere mitunter mehrere Kilometer (LAVES). Die Larven tragen in den ersten Lebenswochen äußere Kiemen und erinnern an Kaulquappen (KEA-BW, LAVES).

Ist der Schlammpeitzger geschützt? FFH-Anhang II, bundesweit gefährdet

Der Schlammpeitzger steht im Anhang II der FFH-Richtlinie (EU-Code 1145) und in der Roten Liste der Süßwasserfische Deutschlands von 2023 in der Kategorie 3, „gefährdet“. Das Rote-Liste-Zentrum bewertet den Bestand als „selten“, den langfristigen Trend als starken Rückgang und den kurzfristigen Trend als stabil; Deutschland trägt eine allgemeine Verantwortlichkeit. Die Einstufung ist eine Verbesserung gegenüber der früheren Kategorie „stark gefährdet“; Quellen, die für den Schlammpeitzger noch „stark gefährdet“ nennen, geben den älteren Stand wieder. Weltweit gilt die Art nach FishBase (Bewertung vom 16. Januar 2023) als „Least Concern“.

Als Art des Anhangs II ist der Schlammpeitzger Schutzgut in FFH-Gebieten: Das BfN nennt 34 FFH-Gebiete der atlantischen Region mit signifikantem Vorkommen (Stand des FFH-Berichts 2013). Fang- und Schonvorschriften für Angler stehen dagegen in den Fischereiverordnungen der Länder; wie sie lauten, zeigt die Tabelle weiter unten.

Warum ist der Schlammpeitzger gefährdet?

Der Schlammpeitzger ist gefährdet, weil seine Lebensräume verschwinden oder bei der Gewässerpflege zerstört werden. Das BfN nennt die Verlandung von Altarmen und die Trockenlegung von Sümpfen als direkten Lebensraumverlust und Unterhaltungsmaßnahmen an der Gewässersohle, etwa in Gräben, als Beeinträchtigung; Querbauwerke wie Stauanlagen verhindern häufig, dass die Tiere in neue Gewässer ausweichen. Das HLNUG sieht in unsachgemäßer Graben- und Sohlräumung die größte Gefährdung: Da sich der Fisch bei Gefahr eingräbt, wird ein Großteil der Tiere mit dem Schlamm aus dem Gewässer befördert und verendet an Land. Das BfN empfiehlt, die Gewässervegetation nicht vor Ende September und nur in Teilbereichen zu mähen; die KEA-BW rät, lebende Tiere im Aushub in das Gewässer zurückzusetzen.

Kann man Schlammpeitzger essen?

Der Schlammpeitzger hat keine Bedeutung als Speisefisch. FishBase vermerkt zur Nutzung „Fisheries: of no interest“, und in fast allen Bundesländern ist die Art ganzjährig geschützt, sodass Sie sie dort nicht mitnehmen dürfen. Die Regeln je Bundesland stehen in der folgenden Tabelle. Zum Geschmack enthalten die geprüften Quellen keine Angaben.

Schonzeit und Mindestmaß für Schlammpeitzger in allen 16 Bundesländern

Alle 16 Landesfischereiverordnungen nennen den Schlammpeitzger: In 15 Ländern ist er ganzjährig geschützt, in Mecklenburg-Vorpommern gilt eine Schonzeit, und ein Mindestmaß nennt keine der Verordnungen. Die Tabelle zeigt alle 16 Länder im Vergleich.

Bundesland Schonzeit Mindest-/Entnahmemaß Hinweis
Bayern ganzjährig geschont kein Mindestmaß –
Baden-Württemberg ganzjährig geschont kein Mindestmaß LFischVO § 1 Abs. 2 (ganzjährige Schonzeit)
Berlin ganzjährig geschont kein Mindestmaß LFischO Anlage 1 (zu § 8 Abs. 1)
Brandenburg ganzjährig geschont kein Mindestmaß BbgFischO Anlage (zu § 2 Abs. 1)
Bremen ganzjährig geschont kein Mindestmaß Binnengewässer · § 2 Entnahmeverbot: „Es ist verboten, Fische der folgenden Arten zu entnehmen“.
Hamburg ganzjährig geschont kein Mindestmaß § 6 Abs. 1 Artenschutz: „dürfen nicht gezielt befischt und getötet werden“; Beifang nach § 6 Abs. 2 sofort zurücksetzen.
Hessen ganzjährig: Fangverbot kein Mindestmaß § 1 Fang- und Entnahmeverbot (ganzjährig: „Es ist verboten, Tiere folgender Arten zu fangen oder zu entnehmen“)
Mecklenburg-Vorpommern 01.04.–31.07. kein Mindestmaß Binnengewässer · BiFVO § 5 Schonzeit. Kein Mindestmaß in § 4.
Niedersachsen ganzjährig geschont kein Mindestmaß Binnengewässer (BiFischO) · § 2 Abs. 1 BiFischO
Nordrhein-Westfalen ganzjährig geschont kein Mindestmaß § 1 LFischVO (ganzjährige Schonzeit)
Rheinland-Pfalz ganzjährig: Fangverbot kein Mindestmaß § 20 Abs. 2 LFischO (Fangverbot)
Saarland ganzjährig geschont kein Mindestmaß § 5 LFO (ganzjährig geschützt; Ausnahme: geschlossene Privatgewässer, die ausschließlich der Fischzucht dienen)
Sachsen ganzjährig geschont kein Mindestmaß –
Sachsen-Anhalt ganzjährig: Fangverbot kein Mindestmaß Fangverbot nach § 2 Abs. 1 (ganzjährig, nicht nur Schonzeit)
Schleswig-Holstein ganzjährig geschont kein Mindestmaß Binnengewässer (BiFVO Anlage 1)
Thüringen ganzjährig geschont kein Mindestmaß –

Alle 16 Landesfischereiverordnungen führen die Art auf. Die Gewässerordnung Ihres Erlaubnisscheins kann strengere Regeln festlegen; maßgeblich ist der amtliche Verordnungstext.

Rechtsgrundlagen und Prüfdatum

Allgemeine Informationen zur Erlaubnis finden Sie unter Angelschein; einen Überblick über alle Arten bietet die Seite Schonzeiten in Deutschland.

Darf man auf Schlammpeitzger angeln?

Der Schlammpeitzger ist kein Zielfisch: In 15 der 16 Bundesländer ist er ganzjährig geschützt, in Mecklenburg-Vorpommern gilt eine Schonzeit, und nach FishBase wird er ohnehin nur selten mit der Angel gefangen. Wie das einzelne Land den Schutz regelt, steht in der Tabelle oben. Gerät trotzdem ein Tier als Beifang an den Haken, gehört es sofort zurück ins Wasser; Hamburg schreibt das ausdrücklich vor (siehe Tabelle).

Schlammpeitzger oder Steinbeißer? So unterscheiden Sie die beiden

Den Schlammpeitzger erkennen Sie an den zehn Barteln und der Größe von bis zu 30 cm; der Steinbeißer (Cobitis taenia, auch Dorngrundel) bleibt mit bis zu 10 cm deutlich kleiner und trägt sechs kurze Barteln. Beide gehören zu den Dornschmerlen, leben am Gewässergrund und sind nachtaktiv.

Merkmal Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) Steinbeißer (Cobitis taenia)
Größe üblich 15 cm, höchstens etwa 30 cm (FishBase, TL) bis zu 10 cm, Hybridformen in Hessen bis 13 cm (HLNUG); höchstens 13,5 cm TL (FishBase)
Barteln zehn (sechs am Oberkiefer, vier fadenartige Fortsätze der Unterlippe) sechs kurze am Oberkiefer
Dorn unter dem Auge überwachsen aufrichtbar, zweispitzig
Körperform aalähnlich, walzenförmig, hinten seitlich zusammengedrückt lang gestreckt, seitlich abgeflacht
Lebensraum Gewässer mit lockerem Schlammboden und dichtem Pflanzenwuchs Gewässer mit feinem Sand; tagsüber im Sand eingegraben

Auch der Aal ist langgestreckt, unterscheidet sich aber deutlich: Nach FishBase fehlen ihm die Bauchflossen, Rücken- und Afterflosse gehen in die Schwanzflosse über und bilden einen durchgehenden Flossensaum, und er wird bis zu 133 cm lang (TL). Der Schlammpeitzger hat Bauchflossen und eine eigene Rückenflosse.

Gibt es fremde Schlammpeitzgerarten in Deutschland?

Ja, die Rote Liste von 2023 führt zwei eingeschleppte Arten auf. Der Chinesische Schlammpeitzger (Misgurnus anguillicaudatus) gilt als Neobiont, die aktuelle Bestandssituation ist „sehr selten“, und er ist in der Roten Liste nicht bewertet. Den Dicken Schlammpeitzger (Paramisgurnus dabryanus) wiesen Stoeckle et al. (2019) im Wörthlinger Bach in Bayern nach, wo er lokal etabliert ist; die Rote Liste geht von einem invasiven Potenzial aus und empfiehlt, nach § 40 Abs. 3 BNatSchG Maßnahmen zur Beseitigung der vorhandenen Bestände anzuordnen.

Ist der Schlammpeitzger Fisch des Jahres?

Für 2026 gilt das in Österreich, nicht in Deutschland. Nach dem BMLUK ist der Schlammpeitzger Fisch des Jahres 2026 in Österreich; die Wahl soll auf die Bedeutung intakter Auenlandschaften aufmerksam machen. Fisch des Jahres 2026 in Deutschland ist nach der Gesellschaft für Ichthyologie der Europäische Wels; sein Porträt finden Sie unter Wels (Waller).

Woher stammen die Zahlen in diesem Steckbrief?

Die Zahlen stammen aus FishBase (Steckbriefe zu Schlammpeitzger, Steinbeißer und Aal), dem Artenporträt des BfN und dessen Maßnahmenblatt zum Schlammpeitzger (Datenstand FFH-Bericht 2013), den Artensteckbriefen der Roten Liste der Süßwasserfische Deutschlands von 2023 (Freyhof et al.), den Artensteckbriefen des HLNUG zu Schlammpeitzger (Stand 2024) und Steinbeißer (Stand 2020), den Vollzugshinweisen des niedersächsischen Landesamts LAVES (Stand 2011), der Seite des LfU Bayern zum Schlammpeitzger, dem Steckbrief der KEA-BW, dem sächsischen Kartier- und Bewertungsschlüssel (Stand 2006) sowie der Seite des BMLUK zum Fisch des Jahres 2026 und der Seite der Gesellschaft für Ichthyologie zum Fisch des Jahres. Wo Quellen voneinander abweichen, nennt der Text die Spannweite samt Quellen. Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026.

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Häufige Fragen

Wie groß werden Schlammpeitzger?

Ein Schlammpeitzger wird höchstens etwa 30 cm lang, üblich sind nach FishBase 15 cm. FishBase nennt 30,0 cm Gesamtlänge (TL) als Höchstwert für Männchen und nicht nach Geschlecht bestimmte Tiere und 30,7 cm TL für ein Weibchen aus den Niederlanden; das Bundesamt für Naturschutz und das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie schreiben „bis zu 30 cm“. Weibchen werden im Durchschnitt etwas länger und schwerer als Männchen.

Wo lebt der Schlammpeitzger?

Der Schlammpeitzger lebt in stehenden oder schwach fließenden Gewässern mit lockerem Schlammboden und dichtem Pflanzenwuchs, etwa in Altarmen, Gräben, Teichen und Weihern. In Deutschland liegt sein Verbreitungsschwerpunkt im Norddeutschen Tiefland, vor allem in Ostdeutschland; weitere Vorkommen gibt es am Oberrhein und in Nebengewässern der Donau. Europaweit reicht sein Gebiet nördlich der Alpen von der Maas bis zum Wolgadelta.

Was fressen Schlammpeitzger?

Schlammpeitzger fressen vor allem wirbellose Tiere vom Gewässergrund. Nach dem Niedersächsischen Landesamt LAVES bevorzugen sie Insektenlarven, Schnecken, Würmer und andere Wirbellose, die sie mit den Barteln ertasten; pflanzliche Bestandteile machen nur einen geringen Teil aus. FishBase nennt Insektenlarven und kleine Weichtiere. Auf Nahrungssuche gehen sie in der Dämmerung und nachts.

Ist der Schlammpeitzger essbar?

Der Schlammpeitzger hat keine Bedeutung als Speisefisch: FishBase vermerkt zur Nutzung „Fisheries: of no interest“. Außerdem ist die Art in fast allen Bundesländern ganzjährig geschützt, sodass Sie sie dort nicht mitnehmen dürfen. Die Regeln je Bundesland zeigt die Tabelle auf dieser Seite. Zum Geschmack enthalten die geprüften Quellen keine Angaben.

Warum heißt der Schlammpeitzger Furzgrundel und Wetterfisch?

Furzgrundel und Piepaal sind Volksnamen, die auf die Darmatmung zurückgehen: Entweicht die überschüssige Luft über den Darm, ist das hörbar (Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg). Wetterfisch heißt er, weil er nach dem Landesamt LAVES auf plötzliche Luftdruckschwankungen, etwa vor Gewittern, auch tagsüber mit gesteigerter Aktivität reagiert; diese Eigenschaft brachte ihm im englischsprachigen Raum den Namen „weatherfish“ ein. Eine Grundel ist er nicht, sondern eine Dornschmerle (Familie Cobitidae).

Ist der Schlammpeitzger Fisch des Jahres?

Für 2026 in Österreich ja, in Deutschland nein. Das österreichische Bundesministerium BMLUK nennt den Schlammpeitzger Fisch des Jahres 2026 in Österreich. In Deutschland ist Fisch des Jahres 2026 nach der Gesellschaft für Ichthyologie der Europäische Wels.

Quellen