Schonzeiten und Mindestmaße aller 16 Bundesländer Stand der Verordnungen: 30.09.2026
Europäischer Stör, kolorierter Kupferstich aus Blochs Naturgeschichte der Fische (1782–84)
Illustration: Marcus Elieser Bloch, Oeconomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands (1782–84) / Wikimedia Commons (gemeinfrei)

Stör: Größe, Merkmale und Vorkommen in Deutschland

Der Europäische Stör (Acipenser sturio) ist ein urtümlicher Wanderfisch mit fünf Reihen Knochenplatten, der im Meer heranwächst und zum Laichen in große Flüsse aufsteigt. In Deutschland führt ihn die Rote Liste der Süßwasserfische von 2023 als ausgestorben oder verschollen (Kategorie 0); der letzte Nachweis von Jungfischen in der Elbe stammt von 1964. Je nach Quelle wird er über 3 bis 6 m lang und 40 bis über 100 Jahre alt. Seit 2008 setzt das Wiederansiedlungsprogramm des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Jungtiere aus französischer Nachzucht in der Elbe aus, mit einer Pause nach 2015. Dieser Steckbrief nennt Größe, Gewicht, Alter, Laichzeit und Gefährdung mit Quelle, vergleicht die Störarten, auch den Europäischen mit dem Baltischen Stör, und zeigt, was in allen 16 Bundesländern für den Stör gilt.

Europäischer Stör: Steckbrief mit Größe, Gewicht, Alter und Laichzeit

Der Europäische Stör wird je nach Quelle über 3 bis 6 m lang, 400 bis über 600 kg schwer und 40 bis über 100 Jahre alt, und er laicht von Mai bis Juli. Die Werte stammen vom Bundesamt für Naturschutz (BfN), aus der Roten Liste 2023, von FishBase und vom IGB; wo sie auseinandergehen, steht die Spannweite mit den Quellen in der Tabelle. Längen von FishBase sind Gesamtlängen (TL).

Merkmal Europäischer Stör (Acipenser sturio)
Wissen­schaft­licher Name Acipenser sturio Linnaeus, 1758
Familie Störe (Acipenseridae), Ordnung Störartige (Acipenseriformes)
Weiterer Name Atlantischer Stör; so heißt er in einigen Landesverordnungen, der Name ist aber mehrdeutig (siehe unten)
Länge über 3 m (BfN, Artenporträt); bis 5,5 m (BfN, Wiederansiedlung); FishBase: höchstens 600 cm TL, üblich 125 cm TL
Gewicht höchstens 400 kg (FishBase) bis über 600 kg (BfN)
Alter Lebenserwartung 40 Jahre (BfN, Artenporträt); bis über 100 Jahre (BfN, Wiederansiedlung; FishBase)
Geschlechts­reife Männchen mit 9 bis 13 Jahren, Weibchen mit 11 bis 18 Jahren (BfN)
Laichzeit Mai bis Juli (BfN); FishBase: März bis August
Lebensraum Küstengewässer und Flussmündungen mit sandig-schlammigem Grund; Laichplätze in großen, tiefen, stark strömenden Flüssen über Kies (BfN)
Nahrung überwiegend Bodentiere wie Würmer, Krebse, Schnecken und Muscheln, dazu kleine Fische (BfN)
Raub- oder Friedfisch im engeren Sinn weder noch: Bodenfresser mit unterständigem Maul und ohne Zähne (IGB-Portal HaffStör)
Süß- oder Salzwasser beides (anadrom): wächst im Meer, laicht im Süßwasser
Gefährdung Rote Liste Deutschland 2023: Kategorie 0 (ausgestorben oder verschollen), letzter Nachweis 1964; Rote Liste Europa 2011: vom Aussterben bedroht (BfN); weltweit nach der IUCN vom Aussterben bedroht (FishBase, bewertet am 15. September 2020); FFH-Richtlinie Anhang II und IV

Wie groß wird ein Stör? Je nach Quelle 3 bis 6 m

Ein Europäischer Stör wird nach dem BfN über 3 m lang; andere Quellen nennen bis zu 6 m. Das sind Höchstwerte der Art, keine üblichen Größen: FishBase gibt 125 cm (TL) als übliche Länge an und schreibt, dass heute die meisten Männchen nur 100 bis 150 cm erreichen, Weibchen 130 bis 215 cm. Beim Gewicht reichen die Angaben von 400 kg bis 1.000 kg. Die Tabelle stellt die Angaben nebeneinander.

Quelle Länge Gewicht
BfN, Artenporträt über 3 m keine Angabe
BfN, Wiederansiedlung Europäischer Störe bis zu 5,5 m; geschlechtsreife Tiere meist über 1,8 m über 600 kg
FishBase höchstens 600 cm TL; üblich 125 cm TL höchstes veröffentlichtes Gewicht 400 kg
Geßner et al. 2009 (IGB) 5 bis 6 m (nach Holčík et al. 1989) 1.000 kg (nach Holčík et al. 1989)
HaffStör (IGB-Portal) über 5 m bis zu 800 kg

Wie groß war der größte Stör in Deutschland?

Einen amtlichen Rekord nennt keine der geprüften Quellen; belegt sind Fänge von knapp 3 m. Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein (LLUR) dokumentiert in seinem Störbuch (Datenstand 2013) einen 2,95 m langen und 360 Pfund (rund 180 kg) schweren Stör, den ein Störfischer am 20. Juli 1929 in der Untereider bei Pahlhude fing, und einen etwa 3 m langen Fisch, der 1926 in der Eider bei Süderstapel gefangen wurde. Der letzte große Fang in deutschen Gewässern gelang im Oktober 1993 vor Helgoland: ein Rogner mit 2,85 m und 142,5 kg. Auch die letzten geschlechtsreifen Störe, die 1985 in der Elbe und später in der Nordsee gefangen wurden, waren nach dem IGB über 2 m lang.

Welche Störarten gibt es? Europäischer, Baltischer, Sterlet, Sibirischer Stör und Hausen im Vergleich

Die Rote Liste 2023 führt sieben Störarten für Deutschland: Europäischer Stör, Baltischer Stör, Hausen, Sternhausen und Waxdick (Russischer Stör) gelten als ausgestorben oder verschollen, der Sterlet als vom Aussterben bedroht und der Sibirische Stör als nicht etabliert. Die Tabelle vergleicht die fünf Arten, die in deutschen Gewässern eine Rolle spielen oder spielten, nach Lebensweise, Größe und der Zahl der Seitenplatten.

Art Lebensweise und Heimat Höchstlänge / Höchstgewicht Seitenplatten je Körperseite Status in Deutschland
Europäischer Stör (Acipenser sturio) Wanderfisch (anadrom); Nordsee und Atlantik, letzter natürlicher Bestand in der Gironde (Frankreich) 600 cm TL / 400 kg (FishBase) 24 bis 39 (FishBase) Kategorie 0, ausgestorben oder verschollen; Wiederansiedlung in der Elbe
Baltischer Stör (Acipenser oxyrinchus) Wanderfisch (anadrom); ursprünglich nordamerikanische Atlantikküste, in der Ostsee seit 1.200 bis 800 Jahren (BfN) über 4 m (BfN) keine Angabe in den geprüften Quellen Kategorie 0, letzter Nachweis um 1940; Wiederansiedlung in der Oder
Sterlet (Acipenser ruthenus) Flussfisch, bleibt im Süßwasser; Flüsse im Einzugsgebiet von Schwarzem, Asowschem und Kaspischem Meer (FishBase), in Deutschland die Donau (Rote Liste) 125 cm TL / 16 kg (FishBase) 56 bis 71 (FishBase) Kategorie 1, vom Aussterben bedroht; kleine Population im untersten deutschen Donauabschnitt
Sibirischer Stör (Acipenser baerii) lebt im Süßwasser; Heimat Sibirien (FishBase) 200 cm TL / 210 kg (FishBase) 32 bis 59 (FishBase) nicht etabliert, nur unbeständige Vorkommen
Hausen oder Beluga (Huso huso) Wanderfisch (anadrom); Einzugsgebiete von Kaspischem, Schwarzem und Asowschem Meer (FishBase) 800 cm TL / 3,2 t (FishBase) 41 bis 52 (FishBase) Kategorie 0, letzter Nachweis vor 1900

Wer in Deutschland einen Stör fängt, hat es deshalb nicht automatisch mit dem Europäischen oder dem Baltischen Stör zu tun. Das LLUR zählt für den Nord-Ostsee-Kanal 221 Fang- und Fundmeldungen störartiger Fische aus den Jahren 1997 bis 2013; 2008 und 2010 entkamen Störe aus einer Netzgehegeanlage im Kanal, in der sechs Störarten gehalten wurden. Im Rhein bei Xanten wurde am 5. Oktober 2016 ein etwa 1,8 m langer Stör gefunden, den das IGB-Portal HaffStör als Beluga (Huso huso) bestimmte – eine für den Rhein gebietsfremde Art. Er stammte nach dem Portal wahrscheinlich aus illegalem Besatz oder aus einer Havarie in einer Fischzucht.

Europäischer oder Baltischer Stör: Was ist der Unterschied?

Europäischer und Baltischer Stör sind zwei verschiedene Arten: Der Europäische Stör ist in Nordsee und Atlantik heimisch, der Baltische Stör (Acipenser oxyrinchus) stammt von der nordamerikanischen Atlantikküste und besiedelte die Ostsee nach dem BfN vor 1.200 bis 800 Jahren. Beide gelten in Deutschland als ausgestorben oder verschollen, und beide werden wieder angesiedelt, aber in verschiedenen Flusssystemen. Der IGB-Forscher Jörn Geßner sagte 2021, der Ostseestör sei „nach langen Diskussionen unter Taxonomen als die in der Ostsee einheimische Art anerkannt“ worden; bis dahin habe der Europäische Stör dort als einzige vorkommende Art gegolten.

Merkmal Europäischer Stör Baltischer Stör Quelle
Ursprüngliche Heimat Nordsee, Atlantik und ihre Zuflüsse; in Deutschland alle größeren Nordsee-Flüsse nordamerikanische Atlantikküste; Ostsee und ihre Zuflüsse seit 1.200 bis 800 Jahren BfN
Letzter natürlicher Bestand Gironde (Frankreich): einzige Reliktpopulation in der EU in Europa wahrscheinlich ausgestorben; Bestände in Nordamerika BfN
Länge über 3 m über 4 m BfN
Höchstalter Lebenserwartung 40 Jahre etwa 60 Jahre BfN
Geschlechts­reife Männchen 9 bis 13, Weibchen 11 bis 18 Jahre Männchen 7 bis 15, Weibchen 9 bis 20 Jahre BfN
Laichzeit Mai bis Juli Mai bis August BfN
Rote Liste Deutschland 2023 Kategorie 0, letzter Nachweis 1964 Kategorie 0, letzter Nachweis um 1940 Rote-Liste-Zentrum
Wiederansiedlung Elbe seit 2008; Nachzuchten französischer Elterntiere Oder seit 2006 oder 2007; Elterntiere ursprünglich aus Kanada IGB, BfN

Was ist der Atlantische Stör?

„Atlantischer Stör“ ist kein eindeutiger Name: In deutschen Rechts- und Fachtexten steht er für den Europäischen Stör, für den Baltischen Stör oder für beide. Die Hessische Fischereiverordnung führt „Atlantischer Stör“ mit dem wissenschaftlichen Namen Acipenser sturio. Die Binnenfischereiverordnung Mecklenburg-Vorpommerns nennt dagegen „Atlantischer Stör (Acipenser oxyrhinchus)“ und „Stör (Acipenser sturio)“ als zwei getrennte Arten. Die sächsische Fischereiverordnung führt beide Arten in einer Zeile, die brandenburgische alle Arten der Familie Acipenseridae. Auch die Fachliteratur fasst beide Arten zusammen: Die Studie „Voraussetzungen für die Wiedereinbürgerung der Atlantischen Störe, Acipenser sturio und A. oxyrinchus, in Deutschland“ (Kirschbaum et al. 2006) behandelt beide unter diesem Namen. Welche Art gemeint ist, zeigt erst der wissenschaftliche Name.

Gibt es den Stör noch in Deutschland? Rote Liste: ausgestorben, Wiederansiedlung läuft

Als sich selbst erhaltender Wildfisch nicht, als Wiederansiedlungsprojekt ja: Die Rote Liste 2023 führt den Europäischen Stör als ausgestorben oder verschollen (Kategorie 0); im Text heißt es „als reproduktive Art ausgestorben“. Das Rote-Liste-Zentrum nennt 1964 als Jahr des letzten Nachweises von Jungstören in der Elbe und führt die Kategorie als gegenüber der vorherigen Roten Liste unverändert. Zugleich laufen nach der Roten Liste Wiederansiedlungsmaßnahmen mit Tieren aus Frankreich im Einzugsgebiet der Elbe. Der letzte Fang eines Europäischen Störs in Deutschland wurde nach dem BfN 1993 aus der Nordsee gemeldet.

Wo lebt der Stör in Deutschland?

Der Europäische Stör kommt in Deutschland nur noch als Besatzfisch und als Rückkehrer des Wiederansiedlungsprogramms vor, vor allem in der Elbe und in der Nordsee. Die ersten Rückkehrer wurden nach der Roten Liste 2021 in der Unterelbe flussaufwärts bis Hamburg nachgewiesen; ein besetzter Fisch wurde nach dem BfN vor der dänischen Nordseeküste wieder gefangen. Der einzige natürliche Bestand der Art in der Europäischen Union lebt nach dem BfN in der Gironde in Frankreich. Historisch kam er in Deutschland in allen größeren, in die Nordsee mündenden Flüssen vor.

Gibt es Störe im Rhein?

Einen Bestand des Europäischen Störs gibt es im deutschen Rhein nicht: Die Rote Liste 2023 nennt als laufende Wiederansiedlung des Europäischen Störs nur das Einzugsgebiet der Elbe. Der Rhein gehörte nach dem LLUR zu den ehemals bedeutsamen deutschen Flusssystemen mit Störvorkommen und wurde als Zielgewässer für eine Wiederbesiedlung „im Grundsatz geeignet“ eingestuft (Stand 2013); die erste Priorität für den Besatz erhielt jedoch die Elbe. In das niederländische Rheineinzugsgebiet wurden 2012 nach dem LLUR 47 markierte Störe besetzt. Ein Stör, der im Rhein auftaucht, kann auch eine gebietsfremde Art sein, wie der Beluga von Xanten 2016.

Warum ist der Stör aus Deutschland verschwunden?

Der Stör verschwand durch Überfischung, Gewässerverschmutzung und Gewässerverbau. Nach Geßner et al. (2009) fingen Fischer in der Elbe über 20 Jahre hinweg 4.000 bis 7.000 erwachsene Störe im Jahr, danach sank der Fang ab 1888 um durchschnittlich 50 Prozent jährlich. Zur Überfischung trug auch der Fang laichreifer Weibchen wegen des Rogens bei (HaffStör). Heute nennt das BfN als Hauptgefährdungen die Verschlechterung der Lebensräume durch Dämme, Kanalisierung und Kiesentnahme, Beifang und Wilderei sowie nicht heimische Störarten. Das IGB nennt für die Elbe außerdem Sauerstoffmangel im Sommer unterhalb des Hamburger Hafens, Nebenflüsse wie Saale und Havel, die für Störe nicht mehr erreichbar sind, Verletzungen durch Schiffsverkehr und Saugbagger und den Klimawandel.

Wie läuft die Wiederansiedlung des Europäischen Störs in der Elbe?

Seit dem 4. September 2008 setzt das IGB Jungstöre in der Elbe aus; bis 2015 waren es nach dem IGB 19.600 Tiere, bis Oktober 2025 insgesamt rund 20.000. Der erste Versuchsbesatz bestand aus 50 Fischen von im Mittel 26 cm Länge, die bei Lenzen ausgesetzt wurden (Geßner et al. 2009). Die Tiere stammen aus Nachzuchten des französischen Laichfischbestands der Gironde; nach den genetischen Analysen, die das BfN gefördert hat, ist dieser Bestand praktisch identisch mit den Stören, die historisch in der Nordsee und ihren Zuflüssen lebten. Angespornt von den Wiederansiedlungen von Lachs und Meerforelle entstand 1994 die Gesellschaft zur Rettung des Störs, die das Programm gemeinsam mit dem IGB koordiniert; Bundesumweltministerium und BfN fördern die Arbeiten seit 1996.

Nach 2015 ruhte der Besatz bis September 2024, weil die französische Nachzucht-Population 2014 zusammengebrochen war. Am 13. September 2024 wurden bei Magdeburg wieder 100 junge Störe ausgesetzt; möglich wurde das, weil die zwischen 2007 und 2014 geschlüpften Elterntiere inzwischen geschlechtsreif werden. Seit 2020 wurden im Elbesystem nach dem IGB 21 Rückkehrer registriert (Stand Oktober 2025), mehr als zwei Drittel davon tot gefunden, bevor sie sich vermehren konnten. Einen Nachweis natürlicher Vermehrung nennt keine der geprüften Quellen; die Rote Liste schreibt, er stehe noch aus. Der Rahmen sind der Nationale Stör-Aktionsplan von 2010 und der Pan-Europäische Aktionsplan, den 50 Staaten Ende 2018 für acht Störarten unterzeichneten (BfN).

Wie läuft die Wiederansiedlung des Baltischen Störs in der Oder?

Der Baltische Stör wird seit 2006 in der Oder wieder angesiedelt, koordiniert vom IGB; das IGB nennt 2007 als Jahr des ersten Versuchsbesatzes mit 50 Jungtieren. Die Elterntiere fing das IGB zwischen 2002 und 2005 in Kanada, weil deren Erbgut dem des ursprünglichen Ostseestörs stark ähnelt. Die Zahlen zum Besatz weichen ab: Das IGB nannte 2022 rund 3,5 Millionen Jungtiere in der Oder, die Bundesregierung 2024 rund 2 Millionen in der Oder und 3,5 Millionen im gesamten Ostseeraum. Das Projekt HaffStör, das seit dem 1. Mai 2024 vom BfN gefördert wird, will jährlich etwa 25.000 Jungfische in die Oder entlassen; am 21. April 2026 wurden bei Stützkow 400 Tiere ausgesetzt.

Ein geschlechtsreifer Rückkehrer wurde bis 2021 nur einmal belegt: 2016 fing ein Angler einen Fisch, der mit 1,30 m Länge besetzt worden und in sieben Jahren auf über 2 m gewachsen war. Nach der Roten Liste kam es wahrscheinlich bisher zu keiner Reproduktion. Das Fischsterben in der Oder im August 2022 traf nach dem IGB sehr wahrscheinlich die meisten der über 1.000 im Frühjahr ausgesetzten Jungstöre; der Besatz wurde 2023 wieder aufgenommen (Bundesumweltministerium). Als weiteres Problem nennt Geßner die Stellnetze im Haff, die zusammen etwa 300 km lang sind.

Was frisst der Stör? Würmer, Krebse, Schnecken und Muscheln

Der Europäische Stör frisst überwiegend kleine Wirbellose wie Würmer, Krebse, Schnecken und Muscheln, daneben auch kleine Fische (BfN). FishBase nennt als Nahrung Krebstiere, Weichtiere, Vielborster und kleine Fische. Mit dem unterständigen, ausstülpbaren Maul saugt er die Nahrung vom Boden auf; mit den Barteln vor dem Maul ertastet er sie und kann sie „vorschmecken“; Zähne hat er nicht (HaffStör). Auf der Laichwanderung nimmt er nach FishBase keine Nahrung auf. Weil seine Hauptnahrung aus Wirbellosen besteht, ist er kein typischer Raubfisch; welche Süßwasserfische als Raubfische gelten, zeigt die Übersicht Raubfische.

Wie alt wird ein Stör, und wann ist er geschlechtsreif?

Ein Europäischer Stör wird nach dem BfN etwa 40 Jahre alt; nach dem BfN-Text zur Wiederansiedlung und nach FishBase kann er über 100 Jahre erreichen, das HaffStör-Portal des IGB nennt bis zu 150 Jahre. Geßner et al. (2009) halten eine Lebensspanne von über 60 Jahren für wahrscheinlich und weisen darauf hin, dass zur Biologie der Art nur wenig bekannt ist. Männchen werden nach dem BfN mit 9 bis 13 Jahren geschlechtsreif, Weibchen mit 11 bis 18 Jahren; das IGB rechnet für Besatzfische mit rund 15 Jahren bis zur ersten Rückkehr. Geschlechtsreife Tiere sind nach dem BfN meist über 1,8 m lang.

Wann laicht der Stör? Von Mai bis Juli in kiesigen Flüssen

Der Europäische Stör laicht nach dem BfN von Mai bis Juli über steinigem bis kiesigem Grund in großen, tiefen Flüssen mit starker Strömung; die Wanderung zu den Laichplätzen beginnt ab April. FishBase nennt März bis August, eine Wassertiefe von 2 bis 10 m und eine Strömung von 1,5 bis 2,0 m pro Sekunde. Ein Weibchen legt bis zu 2,5 Millionen Eier (BfN); die Weibchen laichen nicht jedes Jahr, nach FishBase alle drei bis vier Jahre. Der Lebenszyklus verläuft in vier Stufen:

  1. Ei und Larve: Die Eier sind klebrig und haften am Kies; ihre Entwicklung dauert bei 17 °C nach FishBase etwa eine Woche.
  2. Jungfisch im Fluss: Die Jungtiere wandern im ersten Lebensjahr in die Unterläufe der Flüsse und verlassen sie nach 2 bis 4 Jahren (BfN); FishBase nennt 2 bis 3 Jahre in den Flussmündungen.
  3. Meer: Bis zur Geschlechtsreife bleibt der Stör im Meer und bevorzugt nahrungsreiche, sandig-schlammige Böden in mittleren Tiefen (BfN).
  4. Rückkehr: Zum Laichen steigt er im Fluss auf, bei hohem Wasserstand nach FishBase über 1.000 km; nach dem Ablaichen kehren die Elterntiere direkt ins Meer zurück (BfN).

Woran erkennt man einen Stör?

Einen Stör erkennen Sie an der ausgezogenen, spitzen Schnauze, am ausstülpbaren, unterständigen Maul mit vier Barteln und an den Knochenplatten, die in fünf Reihen auf dem Körper sitzen (BfN). Schuppen hat er nicht, sein Skelett besteht nach dem HaffStör-Portal aus Knorpel. Nach FishBase trägt der Europäische Stör 9 bis 16 Rückenplatten sowie je Körperseite 24 bis 39 Seitenplatten und 9 bis 14 Bauchplatten; die Unterlippe ist in der Mitte unterbrochen, die Barteln sitzen etwa auf halbem Weg zwischen Schnauzenspitze und Maul und reichen nicht bis zu ihm. Der Rücken ist grünlich braun bis schwärzlich mit goldenem Schimmer, die Flanken sind hell und silbrig, der Bauch ist weiß. Beim Vergleich mit anderen Arten hilft die Zahl der Seitenplatten aus der Tabelle oben.

Ist der Stör ein Speisefisch?

Der Stör war lange einer der beliebtesten Speisefische, den Europäischen Stör dürfen Sie heute aber in der Regel nicht entnehmen. Das HaffStör-Portal des IGB nennt als Grund für die frühere Beliebtheit seinen hohen Eiweißgehalt; FishBase führt den Europäischen Stör als Frisch- und Tiefkühlware und für Kaviar. Zum Geschmack haben wir in den geprüften Quellen keine belegte Beschreibung gefunden. Ob Sie einen Stör fangen oder behalten dürfen, regeln die Länder, wie der Abschnitt zu Schonzeit und Mindestmaß zeigt.

Wird der Stör für Kaviar getötet?

Ob bei der heutigen Kaviargewinnung Tiere getötet werden, haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden; belegt ist, dass früher laichreife Weibchen gefangen wurden, um den Rogen zu entnehmen. Das HaffStör-Portal schreibt, dass der Fang laichfähiger Weibchen die Population schneller einbrechen lässt, weil Störe spät geschlechtsreif werden und nur wenige Male im Leben laichen. Alle Störartigen sind nach dem BfN seit 1998 in den Anhängen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet. Nach dem BfN-Informationsblatt (Stand Januar 2012) müssen Kaviarbehälter gekennzeichnet sein, mit Artcode, Herkunftscode (W für Wildentnahme, C und F für Aquakultur), Ursprungsland und Jahr der Gewinnung.

Schonzeit und Mindestmaß für den Stör in allen 16 Bundesländern

Alle 16 Länder schützen den Stör in ihren Fischereiverordnungen ganzjährig, als Schonzeit oder als Fang-, Aneignungs- oder Entnahmeverbot. Ausnahmen gelten nur in Niedersachsen für Binnengewässer, in die er als Besatz eingebracht wurde (dort außerhalb einer eigenen Artenschonzeit), und im Saarland für geschlossene Privatgewässer der Fischzucht. Die Tabelle zeigt alle 16 Länder im Vergleich.

Bundesland Schonzeit Mindest-/Entnahmemaß Hinweis
Bayern ganzjährig geschont kein Mindestmaß –
Baden-Württemberg ganzjährig geschont kein Mindestmaß LFischVO § 1 Abs. 2 (ganzjährige Schonzeit)
Berlin ganzjährig geschont kein Mindestmaß LFischO Anlage 1 (zu § 8 Abs. 1)
Brandenburg ganzjährig geschont kein Mindestmaß BbgFischO Anlage (zu § 2 Abs. 1); gilt für alle Arten der Familie Acipenseridae
Bremen ganzjährig geschont kein Mindestmaß Binnengewässer · § 2 Entnahmeverbot: „Es ist verboten, Fische der folgenden Arten zu entnehmen“.
Hamburg ganzjährig geschont kein Mindestmaß § 6 Abs. 1 Artenschutz: „dürfen nicht gezielt befischt und getötet werden“; Beifang nach § 6 Abs. 2 sofort zurücksetzen.
Hessen ganzjährig: Fangverbot kein Mindestmaß § 1 Fang- und Entnahmeverbot (ganzjährig: „Es ist verboten, Tiere folgender Arten zu fangen oder zu entnehmen“)
Mecklenburg-Vorpommern (Binnengewässer) ganzjährig: Aneignungsverbot kein Mindestmaß BiFVO § 3 Fangverbot: „Es ist verboten, sich Fische der folgenden Arten anzueignen“.
Mecklenburg-Vorpommern (Küstengewässer) ganzjährig: Aneignungsverbot kein Mindestmaß KüFVO § 3 Fangverbot (Aneignungsverbot).
Niedersachsen (Binnengewässer) ganzjährig geschont; Fang nur in Besatzgewässern 100 cm § 2 Abs. 1 BiFischO. Fang nur in Gewässern erlaubt, in die die Art als Besatz eingebracht wurde (Anzeige beim Fischereikundlichen Dienst, § 2 Abs. 2 BiFischO); dort gilt das Mindestmaß aus § 3; Artenschonzeit dort 01.01.–31.07. (§ 4)
Niedersachsen (Küstengewässer) ganzjährig geschont kein Mindestmaß § 6 Abs. 3 Nr. 4 NKüFischO
Nordrhein-Westfalen ganzjährig geschont kein Mindestmaß § 1 LFischVO (ganzjährige Schonzeit)
Rheinland-Pfalz ganzjährig: Fangverbot kein Mindestmaß § 20 Abs. 2 LFischO (Fangverbot)
Saarland ganzjährig geschont kein Mindestmaß § 5 LFO (ganzjährig geschützt; Ausnahme: geschlossene Privatgewässer, die ausschließlich der Fischzucht dienen)
Sachsen ganzjährig geschont kein Mindestmaß –
Sachsen-Anhalt ganzjährig: Fangverbot kein Mindestmaß Fangverbot nach § 2 Abs. 1 (ganzjährig, nicht nur Schonzeit)
Schleswig-Holstein (Binnengewässer) ganzjährig geschont kein Mindestmaß –
Schleswig-Holstein (Küstengewässer) ganzjährig geschont kein Mindestmaß –
Thüringen ganzjährig geschont kein Mindestmaß –

Alle 16 Landesfischereiverordnungen führen die Art auf. Die Gewässerordnung Ihres Erlaubnisscheins kann strengere Regeln festlegen; maßgeblich ist der amtliche Verordnungstext.

Rechtsgrundlagen und Prüfdatum

Die Regeln der beiden Länder mit Ausnahmen finden Sie bei Niedersachsen und Saarland, einen Überblick über alle Länder bietet die Seite Schonzeiten in Deutschland. Allgemeine Informationen zur Erlaubnis finden Sie unter Angelschein.

Was tun, wenn ein Stör am Haken hängt?

Setzen Sie einen Stör, den Sie versehentlich fangen, schonend zurück und notieren Sie, ob er markiert ist. Die Rote Liste spricht vom geltenden fischereirechtlichen Fangverbot, und das IGB schreibt, dass Fischer den geschützten Stör wieder freilassen müssen. Besatzstöre tragen Marken: eine graue Marke am Ansatz der Rückenflosse beim Versuchsbesatz in der Elbe (Geßner et al. 2009), bei kleineren Baltischen Stören im Jahr 2026 sogenannte Spaghettimarken, damit die Tiere im Fang sofort als Besatzfische erkennbar sind (HaffStör). Gemeldete Wiederfänge, auch aus dem Oslofjord, aus Dänemark und von der Loiremündung, helfen der Forschung, die Wanderwege zu verfolgen (Bundesregierung, IGB). Hinweise auf die Art geben Merkmale wie die Zahl der Seitenplatten (Tabelle oben); im Zweifel gelten für Sie die Regeln Ihres Bundeslandes.

Woher stammen die Zahlen in diesem Steckbrief?

Die Zahlen stammen vor allem vom Bundesamt für Naturschutz (BfN), aus der Roten Liste der Süßwasserfische Deutschlands von 2023 (Freyhof et al.), von FishBase, vom IGB und seinem Portal HaffStör, aus dem Störbuch des LLUR Schleswig-Holstein und aus den Fischereiverordnungen der Länder; die vollständige Liste steht am Ende der Seite. Wo Quellen voneinander abweichen, etwa bei Höchstlänge, Höchstgewicht, Alter, Laichzeit und Besatzzahlen, nennt der Text die Spannweite samt Quellen. Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026.

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Häufige Fragen

Wo lebt der Stör in Deutschland?

Als sich selbst erhaltender Wildfisch nirgends mehr: Die Rote Liste 2023 führt den Europäischen Stör für Deutschland als ausgestorben oder verschollen (Kategorie 0). Besatzfische und Rückkehrer des Wiederansiedlungsprogramms leben in der Elbe und in der Nordsee; der Baltische Stör wird in der Oder wieder angesiedelt. Der einzige natürliche Bestand des Europäischen Störs in der EU lebt nach dem Bundesamt für Naturschutz in der Gironde in Frankreich.

Wie groß kann ein Stör werden?

Je nach Quelle über 3 m (Bundesamt für Naturschutz) bis 6 m (FishBase: 600 cm Gesamtlänge); üblich sind nach FishBase 125 cm Gesamtlänge. Beim Gewicht reichen die Angaben von 400 kg (FishBase) bis über 600 kg (Bundesamt für Naturschutz). Dokumentierte Fänge aus deutschen Gewässern erreichten knapp 3 m: Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein zeigt einen 2,95 m langen, 360 Pfund schweren Stör von 1929 aus der Eider.

Welche Arten von Stören gibt es?

Die Rote Liste 2023 führt für Deutschland sieben Störarten: Europäischer Stör, Baltischer Stör, Hausen, Sternhausen und Waxdick gelten als ausgestorben oder verschollen, der Sterlet als vom Aussterben bedroht und der Sibirische Stör als nicht etabliert. Weltweit nennt das IGB-Portal HaffStör 27 Arten, die alle als gefährdet oder vom Aussterben bedroht gelten.

Was ist der Atlantische Stör?

„Atlantischer Stör“ ist kein eindeutiger Name. Die Hessische Fischereiverordnung meint damit den Europäischen Stör (Acipenser sturio); die Binnenfischereiverordnung Mecklenburg-Vorpommerns führt „Atlantischer Stör (Acipenser oxyrhinchus)“, also den Baltischen Stör, getrennt von „Stör (Acipenser sturio)“. Entscheidend ist der wissenschaftliche Name.

Ist der Stör ein guter Speisefisch?

Der Stör galt lange als einer der beliebtesten Speisefische, nach dem IGB-Portal HaffStör wegen seines hohen Eiweißgehalts. Eine belegte Beschreibung des Geschmacks haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden. Den Europäischen Stör dürfen Sie in der Regel nicht entnehmen: Alle 16 Länder schützen ihn in ihren Fischereiverordnungen ganzjährig; Ausnahmen gelten nur für Besatzgewässer in Niedersachsen und für Privatgewässer der Fischzucht im Saarland.

Wird der Stör für Kaviar getötet?

Ob bei der heutigen Kaviargewinnung Tiere getötet werden, haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden. Belegt ist, dass früher laichreife Weibchen gefangen wurden, um den Rogen zu entnehmen (HaffStör). Alle Störartigen sind seit 1998 in den Anhängen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gelistet; Kaviarbehälter müssen nach dem Bundesamt für Naturschutz gekennzeichnet sein, unter anderem mit Artcode und Herkunftscode.

Quellen