Die Seeforelle ist die große Seeform der Forelle (Salmo trutta): Sie wächst in kühlen, tiefen Seen heran und steigt nur zum Laichen in die Zuflüsse. Im Bodensee wiegen aufsteigende Laichfische im Mittel rund 2,6 kg (Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei, IBKF); die größten Tiere werden über einen Meter lang und 15 bis über 20 kg schwer. Seeforelle, Bachforelle und Meerforelle sind eine einzige Art, und diese Art gilt in Deutschland nach der Roten Liste 2023 als gefährdet. Dieser Steckbrief nennt Größe, Gewicht, Alter, Laichzeit und Lebensraum mit Quelle, vergleicht die drei Forellenformen und zeigt, in welchen Bundesländern Schonzeit und Mindestmaß für die Seeforelle in der Verordnung stehen.
Seeforelle: Steckbrief mit Größe, Gewicht, Alter und Laichzeit
Die Seeforelle ist ein Raubfisch kühler Seen und laicht im Spätherbst in den Zuflüssen ihres Sees; die Weibchen werden mit vier bis fünf Jahren geschlechtsreif. Die Werte stammen von der IBKF, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg, FishBase und der Roten Liste; wo die Quellen abweichen, steht die Spanne mit Quelle. Die Quellen sind am Ende der Seite aufgeführt.
| Merkmal | Seeforelle (Salmo trutta, Seeform) |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Salmo trutta Linnaeus, 1758; in Verordnungen und im Handel auch „Salmo trutta f. lacustris“ oder „Salmo trutta lacustris“ geführt, nach dem Rote-Liste-Zentrum aber keine Unterart, sondern eine Lebensstrategie der Art |
| Familie | Lachsfische (Salmonidae) |
| Länge | Weibchen werden erst bei über 60 cm geschlechtsreif; die größten Tiere werden über 1 m lang, nach der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg bis 110 cm |
| Gewicht | Laichfische im Bodensee im Mittel rund 2,6 kg; Höchstwerte 15 kg (IGKB und IBKF 2019) bis über 20 kg (IBKF 2017, Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg) |
| Alter | Weibchen geschlechtsreif mit 4 bis 5 Jahren; Höchstalter etwa 15 Jahre (Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg); FishBase nennt für die Art Salmo trutta insgesamt 38 Jahre |
| Laichzeit | Spätherbst, im Alpenrhein mit Höhepunkt der Wanderung gegen Ende Oktober; für alle Forellenformen zusammen nennt die LfL Oktober bis März, je nach Verbreitungsgebiet |
| Lebensraum | kühle, nährstoffarme, sauerstoffreiche Seen der Alpen und Voralpen, vorwiegend das Freiwasser |
| Nahrung | Jungfische: wirbellose Kleintiere; erwachsene Tiere: überwiegend Fische |
| Raub- oder Friedfisch | Raubfisch (erwachsene Tiere) |
| Süß- oder Salzwasser | Süßwasser: See und Zuflüsse |
| Gefährdung | Rote Liste Deutschland 2023: Forelle (Salmo trutta, Bach-, See- und Meerforelle zusammen) gefährdet (Kategorie 3) |
Was ist eine Seeforelle? Dieselbe Art wie Bach- und Meerforelle
Die Seeforelle ist keine eigene Art, sondern die Lebensform der Forelle, die in einem See heranwächst und zum Laichen in Zuflüsse aufsteigt. Das Rote-Liste-Zentrum stellt klar, dass es sich bei Bachforelle, Meerforelle und Seeforelle „nicht um Arten oder Unterarten“ handelt, „sondern um unterschiedliche Lebensstrategien der Art Salmo trutta, die nicht reproduktiv getrennt sind“. Namen wie forma lacustris sind deshalb nach dem Internationalen Code der Zoologischen Nomenklatur falsch, stehen aber weiter in Verordnungen und Handelslisten. Die Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg beschreibt Seeforellen als „großwüchsige Bachforellen, die einen See zum Aufwachsen aufsuchen“.
Die IBKF nennt die Seeforelle im Einzugsgebiet des Bodensees den „Binnenlachs“: Was der Atlantische Lachs für den Rhein unterhalb des Rheinfalls sei, sei die Seeforelle für die Gewässer rund um den See. Zugleich gilt sie der IBKF als Galionsfigur („flagship species“) des Gewässerschutzes: Gesunde, sich selbst erhaltende Bestände entstehen nur in Gewässersystemen, in denen der gesamte Lebenszyklus ablaufen kann.
Wie groß und schwer wird eine Seeforelle? Über 1 m und 15 bis über 20 kg
Die größten Seeforellen werden über einen Meter lang und 15 bis über 20 kg schwer; üblich sind deutlich kleinere Fische, im Bodensee wiegen aufsteigende Laichfische im Mittel rund 2,6 kg. Die Quellen nennen für die Höchstwerte unterschiedliche Zahlen, die Tabelle stellt sie nebeneinander.
| Quelle | Länge | Gewicht | Gilt für |
|---|---|---|---|
| IBKF, Bewirtschaftungskonzept 2017 | vereinzelt über 1 m | vereinzelt über 20 kg; aufsteigende Laichfische im Mittel rund 2,6 kg (2010 bis 2016) | Bodensee |
| IGKB und IBKF, Pressemitteilung 2019 | über 1 m | bis zu 15 kg | Bodensee |
| Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg, Fischarteninventar | bis 110 cm | über 20 kg | Bodensee |
| LfL Bayern (nach VDSF, Fisch des Jahres 2013) | 80 bis 100 cm | 10 bis 15 kg | Seeforelle allgemein |
| FishBase | 140 cm (Standardlänge) | 50 kg | Art Salmo trutta, alle Lebensformen |
Welcher Höchstwert stimmt, bleibt offen: Die Bodensee-Quellen liegen bei 15 bis über 20 kg, und FishBase trennt die Lebensformen nicht. Als Obergrenze der Art nennt FishBase 140 cm Standardlänge (von der Schnauzenspitze bis zum Ansatz der Schwanzflosse) und 50 kg.
Wie groß wird eine Seeforelle im Durchschnitt?
Einen belegten Durchschnitt für alle Seen gibt es in den geprüften Quellen nicht; belegt sind Einzelwerte. Im Bodensee wiegen aufsteigende Laichfische im Mittel rund 2,6 kg (IBKF, Zählungen 2010 bis 2016). Als Beispiele für 2022 zeigt die LfL vier Fänge der Fischerei Tegernsee mit 62 bis 70 cm und 3,8 bis 4,8 kg; Tiere über 70 cm sind dort „relativ selten“. Weibchen werden nach der IBKF erst bei über 60 cm geschlechtsreif; ab 60 cm Totallänge sind mehr als 90 Prozent der Milchner reif, ab etwa 65 cm alle Rogner.
Wie alt wird eine Seeforelle? Höchstalter etwa 15 Jahre
Eine Seeforelle wird nach der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg etwa 15 Jahre alt; FishBase nennt für die Art Salmo trutta insgesamt ein höchstes gemeldetes Alter von 38 Jahren, ohne die Lebensformen zu trennen. Die Weibchen (Rogner) werden nach der IBKF mit 4 bis 5 Jahren geschlechtsreif, FishBase nennt für die Art 3 bis 4 Jahre. Seeforellen können mehrfach laichen: Nach der IBKF zeigte sich an Goldach und Steinach (Schweiz), dass ein bedeutender Teil der Tiere mehrfach ablaicht und rund 2 Prozent sogar drei- oder mehrmals.
Wo leben Seeforellen in Deutschland? Bodensee und bayerische Alpenseen
Seeforellen leben in Deutschland in kühlen, sauerstoffreichen Seen der Alpen und Voralpen, vor allem im Bodensee und in den großen bayerischen Seen. Die LfL nennt als Beispiele den Bodensee, den Starnberger See und den Walchensee; für Tegernsee, Königssee, Chiemsee, Ammersee, Kochelsee und Schliersee beschreibt sie Projekte zur Stützung oder zum Wiederaufbau des Bestands. Im See selbst besiedeln Seeforellen, Felchen und Seesaiblinge nach der LfL vorwiegend das Freiwasser.
Außerhalb des Alpenraums haben wir in den geprüften Quellen keine belegten Seeforellenbestände gefunden. Dass auch Länder wie Berlin, Brandenburg und Sachsen die Art in ihren Fischereiverordnungen aufführen (Tabelle zu Schonzeit und Mindestmaß), belegt noch keinen Bestand.
Wann laicht die Seeforelle? Im Spätherbst in den Zuflüssen
Die Seeforelle erreicht die Laichreife im Spätherbst und laicht in kiesigen Zuflüssen ihres Sees; die Wanderung dorthin beginnt je nach Gewässer schon im Frühsommer. Nach der IBKF wandern Seeforellen zu unterschiedlichen Zeiten ein: in einigen großen Zuflüssen bereits im Frühsommer und Sommer, im Alpenrhein zum Teil noch früher. Die IGKB (Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee) nennt für den Alpenrhein den Höhepunkt der Wanderung in der Regel gegen Ende Oktober. Die LfL nennt für die Laichzeit aller Forellenformen Oktober bis März, je nach Verbreitungsgebiet; einen festen Monatszeitraum nur für die Seeforelle nennen die geprüften Quellen nicht. Der Lebenszyklus verläuft in fünf Stufen:
- Aufstieg: Die Laichfische steigen in die Zuflüsse auf. Nach Messungen der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg (1986 bis 1994) wanderten sie nur dann weit flussaufwärts, wenn die Wassertemperatur 6 bis 8 °C betrug und zugleich erhöhter Abfluss herrschte.
- Laichen: Zur Laichzeit weicht das silbrige Seekleid einem goldbraunen Laichkleid, die Milchner bilden einen Laichhaken aus. Der Rogner gräbt bis zu 30 cm tiefe Laichgruben ins Flussbett (IBKF).
- Entwicklung im Kies: Die Eier brauchen in den Bodenseezuflüssen etwa 95 bis 160 Tage bis zum Schlupf; die ersten Brütlinge findet man je nach Höhenlage Anfang April bis Anfang Mai (IBKF). Ein Weibchen legt nach der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg bis zu 2.000 Eier pro Kilogramm Körpergewicht.
- Jungfisch im Bach: Die Jungen wandern meist einjährig und rund 20 cm lang in den See, schwerpunktmäßig von Mitte April bis Ende Mai, und färben sich dabei silbrig um (IBKF).
- Rückkehr: Erwachsene Tiere kehren zum Laichen in ihr Heimatgewässer zurück. Von den wiedergefangenen laichreifen Tieren, die als Jungfische markiert und in Zuflüsse gesetzt worden waren, kehrten nach der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg 57 Prozent ins Heimatgewässer zurück.
Laichgruben von Bach- und Seeforellen lassen sich nach der IBKF meist nicht unterscheiden. Winterhochwasser können die Gelege in den Kiesbänken zerstören (IGKB).
Was frisst die Seeforelle? Als Erwachsene überwiegend Fische
Erwachsene Seeforellen fressen überwiegend Fische, Jungfische dagegen wirbellose Kleintiere (IBKF). Als Beute im See nennt die LfL unter anderem Renken und Seesaiblinge, daneben Zooplankton, Köcherfliegenlarven, Schnecken und in der Krötenlaichzeit am Walchensee auch Amphibien. Die Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg gibt für den Bodensee an, dass die Nahrung nahezu ausschließlich aus Fischen bestehe und mehr als die Hälfte der untersuchten Tiere junge Barsche gefressen habe. Eine Untersuchung derselben Stelle von 1986 bis 1994 fand dagegen Fische in rund der Hälfte der Mägen und daneben Insekten und Zooplankton in stark schwankenden Anteilen.
Seeforelle, Bachforelle oder Meerforelle: Was ist der Unterschied?
Seeforelle, Bachforelle und Meerforelle unterscheiden sich nicht in der Art, sondern darin, wo sie heranwachsen: im See, im Fließgewässer oder im Meer. Die Tabelle stellt die drei Lebensformen nebeneinander.
| Merkmal | Bachforelle | Seeforelle | Meerforelle | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Art | Salmo trutta | Salmo trutta | Salmo trutta | Rote-Liste-Zentrum |
| Wo sie lebt | in der Regel ständig im Fließgewässer, sehr standorttreu | in Süßwasserseen, steigt zum Laichen in Zuflüsse auf | im Meer, bevorzugt küstennah, steigt zum Laichen in Flüsse bis zu kleinen Bächen auf | LfL Bayern |
| Größe (Angabe der LfL) | üblich 20 bis 60 cm, 0,5 bis 2 kg | 80 bis 100 cm, 10 bis 15 kg | 80 bis 100 cm, 10 bis 15 kg | LfL Bayern |
| Kleid | viele rote Punkte, daher „Rotgetupfte“ | silbriges Seekleid, zur Laichzeit goldbraun | Einzelheiten im Meerforellen-Steckbrief | LfL Bayern, IBKF |
| Rote Liste Deutschland 2023 | als „Forelle“ gemeinsam bewertet: gefährdet (Kategorie 3) | als „Forelle“ gemeinsam bewertet: gefährdet (Kategorie 3) | als „Forelle“ gemeinsam bewertet: gefährdet (Kategorie 3) | Rote-Liste-Zentrum |
| Handelsbezeichnung | Bachforelle, Forelle, Lachsforelle* | Seeforelle, Forelle, Lachsforelle* | Meerforelle, Lachsforelle* | BLE-Verzeichnis, Stand 4.9.2026 |
* Lachsforelle nur, wenn das Fleisch rosa oder orange bis rot ist. Die Größenangaben der LfL für Seeforelle und Meerforelle sind Werte für große Fische; im Bodensee liegt das Mittel der aufsteigenden Laichfische bei rund 2,6 kg.
Was ist der Unterschied zwischen Bachforelle und Seeforelle?
Die Bachforelle bleibt in der Regel im Fließgewässer, die Seeforelle wächst im See heran und wird dort deutlich größer. Beide sind dieselbe Art, und die Grenze ist durchlässig: Nach der IBKF unterscheiden sich See- und Bachforellen desselben Gewässers meist genetisch, vermehren sich also hauptsächlich getrennt, doch es kommt immer wieder zu Kreuzungen. Die Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg fand 1986 bis 1994 keinen Unterschied im Abwanderverhalten junger See- und Bachforellen und schloss daraus, dass sich ein erheblicher Teil der Seeforellen des Bodensees aus abgewanderten Bachforellen rekrutiert. Die Schonzeit der Bachforelle finden Sie unter Schonzeit Forelle.
Was ist der Unterschied zwischen Seeforelle und Meerforelle?
Die Seeforelle wächst im See, die Meerforelle im Meer; beide laichen im Süßwasser und sind dieselbe Art. Nach der LfL ist die Meerforelle in Lebensweise und Verhalten dem Atlantischen Lachs ähnlich und hält sich im Meer bevorzugt küstennah auf, die Seeforelle bleibt im Süßwasser. Die Rote Liste fasst beide mit der Bachforelle zu einer Einheit zusammen. Mehr zur Meerform lesen Sie auf der Seite Meerforelle, die Regeln stehen unter Schonzeit Meerforelle. Der Atlantische Lachs ist dagegen eine eigene Art.
Wie heißt die Seeforelle noch? Handelsnamen nach dem BLE-Verzeichnis
Im Handel darf die Seeforelle „Seeforelle“, „Forelle“ oder „Lachsforelle“ heißen, „Lachsforelle“ aber nur, sofern das Fleisch rosa oder orange bis rot ist. So führt es das Verzeichnis der Handelsbezeichnungen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE, 117. Änderung, Stand 4. September 2026) für Salmo trutta lacustris. „Lachsforelle“ ist also kein Synonym der Seeforelle, sondern eine an die Fleischfarbe gebundene Handelsbezeichnung: Sie steht im Verzeichnis ebenso für Bachforelle, Meerforelle und die Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss), die zu einer anderen Gattung gehört. Für den gelegentlich genannten Namen „Grundforelle“ fanden wir in den geprüften Quellen keinen Beleg.
Wie schmeckt Seeforelle?
Die Seeforelle gilt nach der LfL „seit jeher als ausgezeichneter Speisefisch“; eine Geschmacksbeschreibung nennen die geprüften amtlichen Quellen nicht. FishBase nennt für die Art Salmo trutta den Verkauf frisch und geräuchert. Ob das Fleisch rosa oder orange bis rot ist, entscheidet nach dem BLE-Verzeichnis darüber, ob der Fisch als „Lachsforelle“ verkauft werden darf.
Ist die Seeforelle gefährdet? Rote Liste: gefährdet (Kategorie 3)
Ja: Die Forelle (Salmo trutta) gilt in Deutschland nach der Roten Liste der Süßwasserfische von 2023 als gefährdet (Kategorie 3); die Seeforelle hat keine eigene Einstufung, weil die Rote Liste Bach-, See- und Meerforelle zu einer biologischen Einheit zusammenfasst. Das Rote-Liste-Zentrum nennt die aktuelle Bestandssituation „mäßig häufig“, den langfristigen Bestandstrend „starker Rückgang“ und den kurzfristigen Bestandstrend „mäßige Abnahme“. Die Forelle war 2009 noch bundesweit ungefährdet; der kurzfristige Trend gilt nun in fünf Ländern, darunter Bayern und Baden-Württemberg, als rückläufig, und der langfristige Rückgang geht nach dem Rote-Liste-Zentrum auf den Gewässerausbau zurück. Die Erhaltung der Formenvielfalt, also auch der Seeforelle, nennen die Autoren ein zentrales Anliegen des Schutzes.
Wie steht es um den Bestand im Bodensee?
Der Bodensee-Bestand hat sich erholt, gilt aber nach der IBKF noch nicht als gesichert. Die IGKB und die IBKF nennen die Seeforelle 2019 eine Erfolgsgeschichte: Die in den 1980er Jahren beinahe ausgestorbene Seeforelle sei zurück, nachdem die IBKF zu Beginn der 1980er Jahre ein Schutzprogramm mit strengeren Schonbestimmungen, Schongebieten, Laichfischfang und Besatz begonnen hatte. Das Bewirtschaftungskonzept von 2017 hält dagegen fest, dass sich der Bestand noch nicht allein durch natürliche Fortpflanzung erhalten könne und die Arterhaltung nicht als gesichert gelte; 2016 wurden rund 1,7 Millionen Eier, Brütlinge und Jungfische im Einzugsgebiet eingesetzt. Zu den Gefahren zählen Wehre, Kraftwerke und der Klimawandel: Im Herbst 2018 stiegen am Kraftwerk Reichenau im Alpenrhein nur halb so viele Seeforellen auf wie im langjährigen Mittel von rund 800 Fischen pro Jahr (IGKB).
Wie steht es um den Bestand in Bayern?
In Bayern ist die Seeforelle in mehreren Seen selten, und einige Wiederansiedlungen laufen noch. Die LfL berichtet für den Tegernsee, dass die Seeforelle von 1960 bis in die 1990er Jahre praktisch verschwunden war und der Bestand seit 2018 leicht ansteigt, aber noch nicht selbsttragend ist. Im Königssee gab es 2013 den letzten Fang; seit 2018 läuft dort mit dem Nationalpark Berchtesgaden ein Wiederansiedlungsprojekt mit jährlichem Besatz von Brut. Im Chiemsee und im Walchensee stagniert der Bestand auf niedrigem Niveau, und im Ammersee blieb der Erfolg trotz hohen Aufwands bisher aus (LfL, Fortbildungsseminar 2022). Im Starnberger See lagen die Fangzahlen der Berufsfischer Ende 2017 auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1968 (LfL, Vortrag 2018).
Schonzeit und Mindestmaß für Seeforelle in allen 16 Bundesländern
Acht der 16 Landesfischereiverordnungen nennen die Seeforelle, nämlich die von Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Hessen fasst sie mit Bach- und Meerforelle zur „Atlantischen Forelle“ zusammen, Baden-Württemberg weist für den Bodensee-Obersee eigene Zeilen aus und Brandenburg für Satzfische; in den übrigen acht Ländern ist die Art nicht aufgeführt. Die Tabelle zeigt alle 16 Länder im Vergleich.
| Bundesland | Schonzeit | Mindest-/Entnahmemaß | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Bayern | 01.10.–15.03. | 60 cm | nur Flussgebiete Donau und Rhein |
| Baden-Württemberg (allgemein) | 01.10.–28.02. | 50 cm | LFischVO § 1 Abs. 1 |
| Baden-Württemberg (Bodensee-Obersee einschl. Überlinger See) | 01.11.–10.01. | 50 cm | BodFischVO § 16 Abs. 1; Schonzeiten beginnen/enden jeweils 12.00 Uhr (§ 16 Abs. 2); 2026 Mindestmaß 60 cm durch Einzelanordnung (siehe Eintrag 2026) |
| Baden-Württemberg (Bodensee-Obersee, nur 01.01.–31.12.2026) | 01.11.–10.01. | 60 cm | Einzelanordnung Nr. 14 |
| Berlin | 01.10.–31.05. | 60 cm | LFischO Anlage 1 (zu § 8 Abs. 1) |
| Brandenburg (allgemein) | ganzjährig geschont | kein Mindestmaß | BbgFischO Anlage (zu § 2 Abs. 1) |
| Brandenburg (als Satzfisch eingebracht) | 16.10.–15.04. | 60 cm | BbgFischO Anlage (zu § 2 Abs. 1) |
| Bremen | nicht aufgeführt | – | – |
| Hamburg | nicht aufgeführt | – | – |
| Hessen | 01.10.–31.03. | 25–60 cm (Entnahmefenster) | § 2 Abs. 1; Sammelzeile „Atlantische Forelle“ gilt für Bach-, Meer- und Seeforelle |
| Mecklenburg-Vorpommern | nicht aufgeführt | – | – |
| Niedersachsen | nicht aufgeführt | – | – |
| Nordrhein-Westfalen | 20.10.–15.03. | 50 cm | § 2 Nr. 1, § 3 LFischVO |
| Rheinland-Pfalz | keine Schonzeit | 60 cm | § 17 |
| Saarland | nicht aufgeführt | – | – |
| Sachsen | 01.10.–30.04. | 60 cm | – |
| Sachsen-Anhalt | nicht aufgeführt | – | – |
| Schleswig-Holstein | nicht aufgeführt | – | – |
| Thüringen | nicht aufgeführt | – | – |
8 von 16 Landesfischereiverordnungen führen die Art auf. „Nicht aufgeführt“ heißt: Die Verordnung nennt für die Art weder Schonzeit noch Mindestmaß; allgemeine Regeln wie Schonbezirke gelten trotzdem. Die Gewässerordnung Ihres Erlaubnisscheins kann strengere Regeln festlegen; maßgeblich ist der amtliche Verordnungstext.
Rechtsgrundlagen und Prüfdatum
- Bayern: AVBayFiG, Anlage (zu den §§ 11, 14, 22, 27 und 32) – Schonzeiten, Schonmaße und räumlicher Geltungsbereich (gelesen am 4. Oktober 2026)
- Baden-Württemberg: Landesfischereiverordnung (LFischVO) § 1 – Schonzeiten und Mindestmaße; Bodensee: Bodenseefischereiverordnung (BodFischVO) § 16 und Unterseefischereiordnung § 25 (gelesen am 4. Oktober 2026)
- Berlin: Berliner Landesfischereiordnung (LFischO), Anlage 1 (zu § 8 Abs. 1) Schonzeiten und Mindestmaße und Anlage 2 (zu § 8 Abs. 4) Fische ohne Mindestmaße und Schonzeiten (gelesen am 4. Oktober 2026)
- Brandenburg: Fischereiordnung des Landes Brandenburg (BbgFischO), Anlage (zu § 2 Abs. 1) (gelesen am 4. Oktober 2026)
- Hessen: Hessische Fischereiverordnung (HFischV) vom 14. April 2023, § 1 (Fang- und Entnahmeverbote) und § 2 Abs. 1 (Schonzeiten und Entnahmemaße) (gelesen am 4. Oktober 2026)
- Nordrhein-Westfalen: Landesfischereiverordnung (LFischVO) §§ 1, 1a, 2, 3 (gelesen am 4. Oktober 2026)
- Rheinland-Pfalz: Landesfischereiordnung (LFischO, juris: FischGDV RP) §§ 17–20 (gelesen am 4. Oktober 2026)
- Sachsen: Sächsische Fischereiverordnung (SächsFischVO) vom 22. April 2022, Anlage (zu § 2 Absatz 1) (gelesen am 4. Oktober 2026)
Allgemeine Informationen zur Erlaubnis finden Sie unter Angelschein; die Schonzeiten der Nachbarform Bachforelle stehen unter Schonzeit Forelle.
Wie wird die Seeforelle befischt? Beifang, Schleppangel und Laichfischfang
Am Bodensee fängt die Berufsfischerei die meisten Seeforellen als Beifang in Felchennetzen, während Angelfischer mit Schleppangeln gezielt auf sie fischen. So beschreibt es die IBKF; nach ihrem Bewirtschaftungskonzept von 2017 liegt der Fangertrag im Bodensee-Obersee bei rund 4,5 bis 7 Tonnen im Jahr, etwa zu zwei Dritteln aus der Berufsfischerei und zu einem Drittel aus der Angelfischerei. Der Laichfischfang liefert die Elterntiere für den Besatz und ist die Grundlage der Bewirtschaftung. In einigen Laichgewässern trugen nach der IBKF über 5 Prozent der aufsteigenden Laichfische Verletzungen durch Angelhaken.
Zur Hakenwahl liegt eine Messung der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg aus ihrem Versuchsprogramm von 1986 bis 1994 vor: Von 1.275 beim Versuchsangeln gefangenen Seeforellen hatten nur 3,9 Prozent das damals gültige Schonmaß erreicht, und die Sterblichkeit lag bei Drillingshaken mit 27,2 Prozent höher als bei einfachen Haken mit 16,8 Prozent. Wie Sie Forellen allgemein befischen, steht unter Forelle angeln.
Woher stammen die Zahlen in diesem Steckbrief?
Die Zahlen stammen aus Veröffentlichungen der IBKF und der IGKB zur Bodensee-Seeforelle, der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg (Fischarteninventar am Bodensee; Untersuchung 1986 bis 1994), der LfL Bayern, aus FishBase, dem Rote-Liste-Zentrum (Freyhof et al. 2023) und dem BLE-Verzeichnis der Handelsbezeichnungen; die Quellenliste steht am Ende der Seite. Wo Quellen voneinander abweichen, etwa bei Höchstgewicht und Höchstalter, nennt der Text die Spanne samt Quellen. FishBase und das Rote-Liste-Zentrum behandeln die Forelle als eine Art; Werte für die Seeform allein stammen daher aus den Bodensee- und Bayern-Quellen. Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026.
Weiterlesen
- Meerforelle: Steckbrief
- Schonzeit Forelle in allen Bundesländern
- Forelle angeln
- Atlantischer Lachs: Steckbrief
- Regenbogenforelle: Steckbrief
- Raubfische in Deutschland
- Schonzeiten in Deutschland im Überblick
- Angelschein
Häufige Fragen
Was ist eine Seeforelle?
Die Seeforelle ist die Lebensform der Forelle (Salmo trutta), die in einem See heranwächst und zum Laichen in Zuflüsse aufsteigt. Sie ist keine eigene Art: Das Rote-Liste-Zentrum bezeichnet Bach-, See- und Meerforelle als „unterschiedliche Lebensstrategien der Art Salmo trutta“. Im Bodensee wiegen aufsteigende Laichfische im Mittel rund 2,6 kg, die größten Tiere werden über einen Meter lang.
Was ist der Unterschied zwischen Bachforelle und Seeforelle?
Beide sind dieselbe Art (Salmo trutta). Die Bachforelle lebt in der Regel ständig im Fließgewässer und ist nach der LfL Bayern üblicherweise 20 bis 60 cm lang und 0,5 bis 2 kg schwer; die Seeforelle wächst in einem See heran und wird deutlich größer. Nach der IBKF vermehren sich See- und Bachforellen desselben Gewässers hauptsächlich getrennt, kreuzen sich aber immer wieder.
Was ist der Unterschied zwischen Seeforelle und Meerforelle?
Die Seeforelle wächst im See, die Meerforelle im Meer, bevorzugt küstennah; beide laichen im Süßwasser und gehören zur Art Salmo trutta. Die Rote Liste bewertet Bach-, See- und Meerforelle gemeinsam als „Forelle“: gefährdet (Kategorie 3).
Wie groß kann eine Seeforelle werden?
Die größten Seeforellen werden über einen Meter lang; die Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg nennt für den Bodensee bis 110 cm. Beim Höchstgewicht weichen die Quellen ab: bis zu 15 kg (IGKB und IBKF 2019), über 20 kg (IBKF 2017, Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg). FishBase nennt für die Art Salmo trutta insgesamt 140 cm Standardlänge und 50 kg, ohne die Lebensformen zu trennen.
Wie groß wird eine Seeforelle im Durchschnitt?
Einen belegten Durchschnitt für alle Seen gibt es in den geprüften Quellen nicht. Im Bodensee wiegen aufsteigende Laichfische im Mittel rund 2,6 kg (IBKF, Zählungen 2010 bis 2016). Weibchen werden erst bei über 60 cm geschlechtsreif; Beispielfänge der Fischerei Tegernsee von 2022 lagen bei 62 bis 70 cm und 3,8 bis 4,8 kg.
Wie schmeckt Seeforelle?
Die Seeforelle gilt nach der LfL Bayern seit jeher als ausgezeichneter Speisefisch; eine Geschmacksbeschreibung nennen die geprüften amtlichen Quellen nicht. FishBase nennt den Verkauf frisch und geräuchert. Ist ihr Fleisch rosa oder orange bis rot, darf sie nach dem BLE-Verzeichnis als „Lachsforelle“ verkauft werden.
Quellen
- FishBase: Salmo trutta Linnaeus, 1758 (Sea trout), Summary (abgerufen am 06.10.2026)
- Rote-Liste-Zentrum: Artensteckbrief Salmo trutta (Forelle), nach Freyhof et al. (2023), Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (6) (abgerufen am 06.10.2026)
- Freyhof, J. et al. (2023): Rote Liste und Gesamtartenliste der sich im Süßwasser reproduzierenden Fische und Neunaugen Deutschlands, Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (6), Bundesamt für Naturschutz (abgerufen am 06.10.2026)
- Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF), Arbeitsgruppe Wanderfische: Bewirtschaftungskonzept der IBKF für die Bodensee-Seeforelle, 2017 (Autor: P. Rey, HYDRA Konstanz) (abgerufen am 06.10.2026)
- IGKB und IBKF: Ungewisse Zukunft für populäre Bodensee-Fischart, Pressemitteilung zur Seeforelle im Bodensee, 30.10.2019 (abgerufen am 06.10.2026)
- Fischereiforschungsstelle des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg (LAZBW), Langenargen: Fischarteninventar am Bodensee (abgerufen am 06.10.2026)
- Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt Aulendorf, Fischereiforschungsstelle (U. Schulz): Untersuchungen zur Ökologie der Seeforelle im Bodensee, September 1986 bis Oktober 1994, Infodienst Landwirtschaft Baden-Württemberg (abgerufen am 06.10.2026)
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Institut für Fischerei: Fisch des Jahres 2013: Die Forellen (Die Forelle, eine der bekanntesten heimischen Fischarten) (abgerufen am 06.10.2026)
- LfL Bayern, Institut für Fischerei (B. Gum): Aktuelles zu Artenhilfsprojekten für die Seeforelle, Fortbildungsseminar für Fluss- und SeenfischerInnen, Starnberg, 14.11.2022 (abgerufen am 06.10.2026)
- LfL Bayern, Institut für Fischerei (P. Wendt): Möglichkeiten zur Bestandsstützung und Arterhaltung der Seeforelle im Starnberger See, 19.11.2018 (abgerufen am 06.10.2026)
- LfL Bayern, Institut für Fischerei: Staatliche Fischbrutanstalt Nonnenhorn (Bodensee), Informationsblatt 2011 (abgerufen am 06.10.2026)
- Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE): Verzeichnis der Handelsbezeichnungen für Erzeugnisse der Fischerei und Aquakultur, 117. Änderung, Stand 04.09.2026 (abgerufen am 06.10.2026)