Schonzeiten und Mindestmaße aller 16 Bundesländer Stand der Verordnungen: 30.09.2026
Graskarpfen, Foto
Foto: Sam Stukel, U.S. Fish and Wildlife Service (2022) / Wikimedia Commons (gemeinfrei)

Graskarpfen: Größe, Alter, Merkmale und Lebensraum

Der Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella) ist ein pflanzenfressender Süßwasserfisch aus Ostasien, der nach FishBase bis zu 150 cm lang und 45 kg schwer wird und mindestens 21 Jahre alt werden kann. In Deutschland ist er nicht heimisch und kommt nur durch Besatz vor: Die Rote Liste von 2023 führt ihn als „nicht etabliert“ (Einbürgerungsstatus: unbeständig), und nach dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) pflanzt er sich hier bisher nicht fort. Anders als der Karpfen hat er keine Barteln; er ist keine Form des Karpfens, sondern eine eigene Art. Dieser Steckbrief nennt Größe, Gewicht, Alter, Nahrung und Herkunft mit Quelle und zeigt, wie Sie Graskarpfen und Karpfen unterscheiden, ob der Graskarpfen essbar ist und was in Sachsen für den Besatz im Teich gilt.

Graskarpfen-Steckbrief: Größe, Gewicht, Alter und Herkunft auf einen Blick

Der Graskarpfen erreicht höchstens 150 cm Gesamtlänge und 45 kg, kann mehr als 20 Jahre alt werden und frisst als erwachsener Fisch vor allem Wasserpflanzen. Die Werte stammen aus FishBase, dem Rote-Liste-Zentrum, dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG); die Quellen sind am Ende der Seite aufgeführt.

Merkmal Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella)
Wissen­schaft­licher Name Ctenopharyngodon idella (Valenciennes, 1844)
Weitere Namen Grasfisch, Weißer Amur (BfN); FishBase führt „Graskarpfen“ und „Weisser Amur“; englisch grass carp
Familie Xenocyprididae (FishBase) und damit eine andere Familie als der Karpfen (Cyprinus carpio, Cyprinidae); die BfN-Bewertung von 2015 führt ihn noch unter den Cyprinidae
Herkunft große Ströme im Osten Chinas und in Ostsibirien, etwa die Einzugsgebiete von Amur, Jangtsekiang und Gelbem Fluss (LfULG); nach Deutschland eingeführt 1964 (BfN) bzw. 1965 (LfULG)
Länge Höchstwert 150 cm Gesamtlänge (FishBase); das LfULG nennt bis 1,50 m. Eine übliche Länge ausgewachsener Fische nennt keine der geprüften Quellen
Gewicht höchstes veröffentlichtes Gewicht 45,0 kg (FishBase); das LfULG nennt bis 45 kg
Alter höchstes berichtetes Alter 21 Jahre (FishBase); LfULG und BfN: mehr als 20 Jahre
Geschlechts­reife nach 7 bis 10 Jahren (BfN, nach Kottelat und Freyhof 2007)
Laichzeit in Deutschland keine natürliche Fortpflanzung (LfULG, BfN); die Art laicht nur über tiefen Kolken auf kiesigen Abschnitten großer, stark strömender Flüsse (LfULG)
Lebensraum stehende oder langsam fließende, pflanzenreiche Gewässer, Tiefe 0 bis 30 m (FishBase)
Nahrung erwachsene Tiere vor allem höhere Wasserpflanzen; Jungfische Zooplankton und Bodentiere; Trophiestufe 2,0 (FishBase)
Barteln keine
Raub- oder Friedfisch Friedfisch (Pflanzenfresser)
Süß- oder Salzwasser Süßwasserfisch; nach FishBase auch im Brackwasser, Salzgehalt bis etwa 10 ‰
Gefährdung Rote Liste Deutschland 2023: nicht etabliert (keine Rote-Liste-Kategorie), Einbürgerungsstatus unbeständig; BfN: invasive Art, Managementliste (Bewertung vom 30. April 2015); IUCN weltweit: nicht gefährdet (Least Concern, bewertet am 30. März 2020)

Wie groß wird ein Graskarpfen? Bis 150 cm Gesamtlänge

Ein Graskarpfen wird nach FishBase bis zu 150 cm lang (Gesamtlänge, TL); das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) nennt ebenfalls bis zu 1,50 m. Beides sind Höchstwerte der Art, keine Durchschnittswerte. FishBase gibt als „common length“ nur 10,7 cm Standardlänge (SL) an; als Richtwert für ausgewachsene Graskarpfen taugt das nicht, und eine andere Angabe zur üblichen Größe haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden.

Wie viel wiegt ein Graskarpfen bei welcher Länge?

Ein 100 cm langer Graskarpfen wiegt nach der FishBase-Beziehung zwischen Länge und Gewicht rechnerisch rund 14 kg, ein 60 cm langer rund 3 kg. FishBase gibt für die Art a = 0,00933 und b = 3,09 an (Gewicht in Gramm = a × Länge in cm Gesamtlänge hoch b), geschätzt aus Längen-Gewichts-Daten dieser Art. Die Tabelle enthält berechnete Werte, keine Messwerte: Sie zeigt Richtwerte für einen durchschnittlich ernährten Fisch.

Länge (Gesamtlänge) Gewicht, berechnet aus FishBase-Parametern
40 cm 0,8 kg
50 cm 1,7 kg
60 cm 2,9 kg
70 cm 4,7 kg
80 cm 7,1 kg
90 cm 10 kg
100 cm 14 kg
110 cm 19 kg
120 cm 25 kg
130 cm 32 kg
140 cm 40 kg

Die Beziehung mittelt über viele Fische. FishBase nennt für a den Bereich 0,00810 bis 0,01076 und für b den Bereich 3,05 bis 3,13; mit diesen Randwerten läge ein 100-cm-Fisch bei rechnerisch 10 bis 20 kg. Für 150 cm ergibt die Formel rund 49 kg und damit mehr als das höchste veröffentlichte Gewicht von 45 kg; an den Rändern der Tabelle ist sie deshalb besonders unsicher.

Wie alt wird ein Graskarpfen? Mindestens 21 Jahre belegt

Ein Graskarpfen kann mindestens 21 Jahre alt werden: FishBase nennt 21 Jahre als höchstes berichtetes Alter, und das LfULG und das BfN schreiben, dass er mehr als 20 Jahre alt werden kann. Das sind Höchstwerte; eine belegte durchschnittliche Lebenserwartung haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden.

Wann wird der Graskarpfen geschlechtsreif?

Graskarpfen werden nach dem BfN erst nach 7 bis 10 Jahren geschlechtsreif (nach Kottelat und Freyhof 2007). Als Speisefisch kommen sie lange vorher in den Handel: Nach dem LfULG werden Graskarpfen wie Karpfen weit vor Erreichen der Geschlechtsreife vermarktet.

Wie schnell wächst ein Graskarpfen? Rund 2 kg nach drei Sommern

Ein Graskarpfen erreicht nach dem LfULG unter sächsischen Klimabedingungen im ersten Jahr 50 g, im zweiten bis zu 500 g und nach dem dritten Sommer 2 kg. Die Angabe stammt aus einer Leitlinie für Aquakultur und Fischerei; eine belegte Tabelle mit Alter, Länge und Gewicht für freilebende Graskarpfen haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden. Für die Aquakultur eignet sich der Graskarpfen nach dem LfULG wegen seiner hohen Wachstumspotenz und der unkomplizierten Haltung.

Was frisst ein Graskarpfen? Überwiegend Wasserpflanzen

Erwachsene Graskarpfen fressen überwiegend höhere Wasserpflanzen und Unterwassergräser, daneben nach FishBase Detritus, Insekten und andere Wirbellose. Die Trophiestufe liegt nach FishBase bei 2,0; der Karpfen kommt auf 3,1, weil er vor allem Bodentiere frisst. Als Jungfische ernähren sich Graskarpfen nach dem LfULG ausschließlich von Zooplankton und Bodentieren, erst ab etwa 10 g Stückmasse können sie höhere Wasserpflanzen verwerten.

Das LfULG schreibt, dass Graskarpfen Nahrungsquellen erschließen, die sonst nur die heimische Rotfeder ähnlich nutzt. In Karpfenteichen fressen sie auch das Ergänzungsfutter mit, das der Teichwirt für die Karpfen ausbringt; damit lässt sich der Fraßdruck auf die Wasserpflanzen verringern oder steuern.

Welche Wasserpflanzen frisst der Graskarpfen?

Der Graskarpfen frisst Pflanzen selektiv und bevorzugt weiche Pflanzen oder Pflanzenteile, besonders Wasserlinsen, Fadenalgen und frische Schilfsprossen; Seerosen, Teichrosen und Pfeilkraut lässt er weitgehend stehen. Die Tabelle gibt die Auswahl des LfULG wieder, die auf mehreren Untersuchungen beruht.

Beliebtheit Wasserpflanzen (Gattung)
Bevorzugte Nahrung Wasserlinsen (Lemna), Laichkräuter (Potamogeton), Fadenalgen (Cladophora u. a.), grüne Sprossen des Rohrschilfs (Phragmites), Armleuchteralgen (Chara), Wasserpest (Elodea), Nixkraut (Najas)
Noch gefressen Kolbenschilf (Typha), Seggen (Carex), Binsen (Eleocharis)
Kaum oder nicht gefressen Ähriges Tausendblatt (Myriophyllum), Hornkraut (Ceratophyllum), Pfeilkraut (Sagittaria), Seerosen (Nymphaea), Teichrosen und Mummeln (Nuphar), zellulosehaltige Stängel des Rohrschilfs, Froschbiss (Hydrocharis)

Wie stark ein Bestand die Vegetation verändert, beurteilen die Quellen unterschiedlich. Das BfN schreibt, der Graskarpfen könne als Pflanzenfresser die gesamte Wasservegetation stark dezimieren; das LfULG schreibt, die Zusammensetzung der Wasserpflanzengesellschaft könne sich ändern, ohne dass alle Pflanzen verschwinden müssen.

Ist der Graskarpfen essbar? Ja, als Speisefisch mit festem, weißem Fleisch

Ja, der Graskarpfen ist ein Speisefisch: Nach dem LfULG hat er festes weißes Fleisch, das sich kochen und braten lässt, und in Sachsen fragen Verbraucher ihn zunehmend auch heiß oder kalt geräuchert nach. FishBase nennt als Zubereitungen Dämpfen, Braten in der Pfanne, Grillen und Backen. Nach FishBase-Schätzungen aus Nährstoffstudien enthalten 100 g Fleisch rund 17 g Eiweiß (Spanne 15,7 bis 19,0 g).

Der Graskarpfen ist nach dem LfULG der weltweit am häufigsten erzeugte Aquakulturfisch: Unter Berufung auf die FAO nennt es für 2020 5,8 Millionen Tonnen, mehr als beim Silberkarpfen (4,9 Millionen Tonnen) und beim Karpfen (4,2 Millionen Tonnen). In Sachsen liefert die Teichwirtschaft jährlich 20 bis 50 Tonnen, Angler fangen weitere 2 bis 3 Tonnen. Auch die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft führt den Grasfisch unter den Nebenfischen, die neben dem Karpfen zum Besatz von Gewässern oder als Speisefische erzeugt werden. Eine belegte Geschmacksbeschreibung haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden.

Graskarpfen oder Karpfen? So unterscheiden Sie die beiden Arten

Am sichersten erkennen Sie den Karpfen an den vier Barteln; der Graskarpfen hat keine. Außerdem hat der Graskarpfen keinen Hartstrahl in der Rücken- und Afterflosse, einen walzenförmigen Körper und ist oben oliv bis messinggrün gefärbt. Die Tabelle stellt beide Arten nach den Angaben von FishBase und der Roten Liste nebeneinander.

Merkmal Graskarpfen Karpfen
Wissen­schaft­licher Name Ctenopharyngodon idella Cyprinus carpio
Familie (FishBase) Xenocyprididae Cyprinidae
Barteln keine vier (zwei Paar)
Rückenflosse keine Hartstrahlen, 10 bis 11 Weichstrahlen 3 bis 4 Hartstrahlen, 17 bis 23 Weichstrahlen
Afterflosse keine Hartstrahlen, 10 bis 14 Weichstrahlen 2 bis 3 Hartstrahlen, 5 bis 6 Weichstrahlen
Schlundzähne meist zwei Reihen, seitlich abgeflacht, gesägt, mit Furche drei Reihen (1,1,3:3,1,1), backenzahnartig
Färbung und Körper oben oliv bis messinggrün, unten silbrig-weiß bis gelb; walzenförmig grau bis bronzefarben; Form, Beschuppung und Farbe sehr variabel
Hauptnahrung höhere Wasserpflanzen (Trophiestufe 2,0) Bodentiere und Pflanzenteile (Trophiestufe 3,1)
Höchstlänge (TL) 150 cm 129 cm
Höchstes veröffentlichtes Gewicht 45,0 kg 40,1 kg
Höchstes berichtetes Alter 21 Jahre 38 Jahre
Herkunft Ostchina und Ostsibirien (Amur) Einzugsgebiete von Schwarzem Meer, Kaspischem Meer und Aralsee
Rote Liste Deutschland 2023 nicht etabliert; Einbürgerungsstatus unbeständig ungefährdet; Indigene oder Archäobiota

Auch die Karausche hat keine Barteln. Sie trägt aber, anders als der Graskarpfen, 3 bis 4 Hartstrahlen in der Rückenflosse und bleibt mit höchstens 64 cm Gesamtlänge (FishBase) deutlich kleiner. Die Formen des Karpfens, vom Spiegel- bis zum Lederkarpfen, stellt die Übersicht Karpfenarten vor; sie gehören zur Art Karpfen, der Graskarpfen nicht.

Woher kommt der Graskarpfen? Aus Ostasien, in Deutschland seit 1964

Der Graskarpfen stammt aus den großen Strömen im Osten Chinas und Ostsibiriens, etwa den Einzugsgebieten von Amur, Jangtsekiang und Gelbem Fluss (LfULG); FishBase nennt Ostchina und das Amur-System in Ostsibirien. Das natürliche Verbreitungsgebiet lässt sich nach dem LfULG kaum noch von dem trennen, in das ihn der Mensch seit Jahrhunderten für die Fischzucht gebracht hat.

Nach Deutschland kam der Graskarpfen in den 1960er-Jahren: Das BfN nennt 1964 als Jahr der Ersteinbringung, nachdem 1963 Fische aus China nach Ungarn exportiert worden waren und von dort ein Jahr später die ersten Tiere für die Aquakultur nach Deutschland verkauft wurden; das LfULG nennt 1965. Als Erstnachweis führt das BfN das Jahr 1968 an, als 50 Exemplare in einen kleinen See bei Ingelheim eingesetzt wurden, um den Bewuchs mit Unterwasserpflanzen zu verringern.

Heute liegt der Schwerpunkt der deutschen Verbreitung nach dem BfN in Brandenburg und Sachsen. Nach dem Hochwasser von 2002 wurden laut BfN Graskarpfen mit hohen Stückmassen in der Elbe gefangen, die aus tschechischen Beständen abgeschwommen waren. In Europa hält sich die Art nach FishBase nur durch Besatz.

Wo lebt der Graskarpfen? In pflanzenreichen, stehenden oder langsam fließenden Gewässern

Der Graskarpfen lebt in großen, stehenden oder langsam fließenden Gewässern mit Pflanzenbewuchs: Nach FishBase kommen erwachsene Tiere in Seen, Teichen, Tümpeln und Nebengewässern großer Flüsse vor, in Tiefen von 0 bis 30 m. In Deutschland nennt das BfN pflanzenreiche Auengewässer, Seen und Teiche sowie kleine Fließgewässer als Lebensräume, in denen die Art vorkommt.

Der Graskarpfen ist sehr robust. FishBase gibt eine Temperaturspanne von 0 bis 38 °C an (die Klimaangabe der Art-Übersicht nennt 0 bis 35 °C), dazu Salzgehalte bis etwa 10 ‰ und Sauerstoffgehalte bis hinunter zu 0,5 ppm. Das LfULG nennt ebenfalls 0 bis 38 °C und schreibt, dass eine Überwinterung auch in sächsischen Gewässern problemlos möglich ist.

Vermehrt sich der Graskarpfen in Deutschland? Nach heutigem Stand nicht

Nein, in Deutschland pflanzt sich der Graskarpfen bisher nicht natürlich fort: Das BfN schreibt, er habe aus klimatischen Gründen keine reproduzierende Population aufgebaut, und das LfULG hält eine selbstständige Vermehrung unter den klimatischen und flussgeografischen Bedingungen Deutschlands für praktisch ausgeschlossen. Eine Vermehrung ist in Mitteleuropa nach dem LfULG aktuell nur in Warmwasserbruthäusern möglich.

Die Gründe nennt das LfULG: Laichfische brauchen bis zur Vollreife 1.500 bis 2.000 Tagesgrade (Summe der mittleren Tageswassertemperaturen seit dem 1. Januar), und sie laichen ausschließlich über mehrere Meter tiefen Kolken auf kiesigen Abschnitten großer Flüsse. Für erfolgreiches Ablaichen seien Abflüsse von mindestens 400 m³/s, Strömungsgeschwindigkeiten von mindestens 0,6 bis 1,5 m/s und ein Anstieg des Pegels um mindestens einen Meter innerhalb von zwölf Stunden nötig. Die Elbe hat bei Dresden einen mittleren Abfluss von 329 m³/s und gilt dem LfULG deshalb als zu klein; in Teichen, Gräben und Kiesgruben schließt es eine Vermehrung generell aus. In Europa vermehrt sich der Graskarpfen nach dem LfULG nur im Unterlauf der Donau, in unregelmäßigen Abständen. FishBase beschreibt die Eier als pelagisch: Sie treiben flussabwärts und schlüpfen nach 2 bis 3 Tagen.

Ob das so bleibt, beurteilen die Quellen unterschiedlich. Das BfN weist darauf hin, dass die Eier bei 23 bis 25 °C Wassertemperatur mindestens 56 Stunden frei treiben müssen und dass eine Klimaerwärmung die erfolgreiche Fortpflanzung in großen Fließgewässern ermöglichen könnte; weil der Fisch über 20 Jahre alt werden kann, sei auch bei einem vollständigen Besatzverbot nicht auszuschließen, dass er sich künftig in deutschen Gewässern etabliert. Das LfULG hält eine erfolgreiche Vermehrung selbst in der Elbe für höchst unwahrscheinlich.

Ist der Graskarpfen gefährdet oder invasiv? Rote Liste: nicht etabliert

Der Graskarpfen steht in Deutschland nicht auf der Roten Liste der gefährdeten Fische: Die Rote Liste der Süßwasserfische von 2023 führt ihn als „nicht etabliert“ (keine Rote-Liste-Kategorie) mit dem Einbürgerungsstatus „unbeständig“. Eine Bestandssituation oder einen Bestandstrend nennt der Artensteckbrief des Rote-Liste-Zentrums nicht. Die IUCN führt die Art weltweit als nicht gefährdet (Least Concern, bewertet am 30. März 2020).

Das BfN stuft den Graskarpfen dagegen in seiner Invasivitätsbewertung (Stand 30. April 2015) als invasive Art ein und führt ihn auf der Managementliste, mit dem Status „unbeständig“. Als Gründe nennt es, dass er als Pflanzenfresser die gesamte Wasservegetation stark dezimieren und Nährstoffdynamik, Wassertrübung und Nahrungsbeziehungen verändern kann; eine Gefährdung heimischer Arten durch Konkurrenz war zum Zeitpunkt der Bewertung nicht bekannt. Auf der Managementliste steht er, weil er sich zwar nicht fortpflanzt, durch viele Besatzmaßnahmen aber großräumig verbreitet ist. Den Ausbreitungsverlauf beschreibt das BfN wegen der Überalterung der Bestände als allgemein zurückgehend.

Die Einstufung ist nicht unumstritten. Das LfULG weist darauf hin, dass der Graskarpfen nicht in der Unionsliste der invasiven Arten nach der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 steht, und verweist auf eine Einschätzung aus dem Jahr 2023 (Manthey, Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung), der zufolge der Graskarpfen nicht einheimisch, aber keinesfalls invasiv ist und alle bekannten Vorkommen erlöschen würden, wenn der Besatz eingestellt würde.

Darf man Graskarpfen im Teich halten oder besetzen?

In Sachsen ist der Besatz mit Graskarpfen in bewirtschafteten Teichanlagen nach der Leitlinie der Fischereibehörde (LfULG, 2023) grundsätzlich ohne Genehmigung möglich, in anderen Gewässern nur mit Erlaubnis der Fischereibehörde. Die folgenden Abschnitte geben das Sächsische Fischereigesetz (SächsFischG), § 40 des Bundesnaturschutzgesetzes und deren Lesart durch das LfULG wieder; die Regeln der übrigen Länder haben wir für diesen Steckbrief nicht ausgewertet. Welche Regeln für Ihr Gewässer gelten, sagt Ihnen die zuständige Fischereibehörde.

Was gilt für den Graskarpfenbesatz in Sachsen?

In Sachsen ist der Besatz von Gewässern mit nicht heimischen Fischarten nach § 12 Abs. 2 SächsFischG grundsätzlich zu unterlassen; Ausnahmen bedürfen der Erlaubnis der Fischereibehörde, die erteilt werden kann, wenn fischereifachliche Gründe nicht entgegenstehen und das Benehmen mit der unteren Naturschutzbehörde hergestellt ist. Auf Anlagen der Fischzucht und Fischhaltung (bewirtschaftete Anlagen) und auf Kleinteiche findet das Gesetz nach § 2 Abs. 2 allerdings keine Anwendung, soweit nichts anderes bestimmt ist. Kleinteiche sind nach § 4 Nr. 13 künstliche Gewässer, die nicht der Fischproduktion oder dem Angeln mit der Handangel dienen und deren Fischbestand nicht herrenlos ist.

Das LfULG liest das Gesetz in seiner Leitlinie so: Für den Besatz mit Graskarpfen in bewirtschafteten Anlagen, insbesondere in Karpfenteichen, ist grundsätzlich keine Genehmigung erforderlich. In Flüssen, Talsperren, Tagebaurestseen und nicht bewirtschafteten Teichen unterliegt der Besatz deutlich stärkeren Beschränkungen. Die Fischereibehörde kann ihn dort über den Hegeplan genehmigen oder im Ausnahmefall als Einzelgenehmigung, wenn das Gewässer gegen Fischwechsel gut absperrbar ist und sich ein Großteil der Graskarpfen wieder fangen lässt; als Beispiele nennt das LfULG abgeschlossene Gewässer wie vereinseigene Teiche und die Pflanzenbekämpfung in Gräben. Zusätzlich können Schutzgebietsverordnungen den Besatz einschränken; in Natura-2000-Gebieten prüft nach dem LfULG die zuständige Naturschutzbehörde, ob ein Besatz zulässig ist.

Was sagt das Bundesrecht zum Aussetzen von Graskarpfen?

Nach § 40 Abs. 1 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) bedarf das Ausbringen von Tieren in der freien Natur der Genehmigung der zuständigen Behörde. Ausgenommen ist das Ansiedeln von Tieren, die dem Fischereirecht unterliegen, sofern die Art im betreffenden Gebiet in freier Natur in den letzten 100 Jahren vorkommt oder vorkam. Nach Lesart des LfULG greift diese Ausnahme beim Graskarpfen, weil er seit seiner Einführung 1965 regelmäßig in der freien Natur vorkommt; für den Besatz ist in Sachsen deshalb das Sächsische Fischereigesetz maßgeblich. Nach der Kommentierung, die das LfULG zitiert, zählen Gärten, Parks und Wohngrundstücke, die in funktionalem Zusammenhang mit dem besiedelten Bereich stehen, nicht zur „freien Natur“. Für Zwecke der Aquakultur ist der Besatz nach Auffassung des LfULG zudem nach EU-Recht genehmigungsfrei, weil der Graskarpfen in Anhang IV der Verordnung (EG) Nr. 708/2007 steht.

Schonzeit und Mindestmaß für Graskarpfen in allen 16 Bundesländern

Für den Graskarpfen setzt keine Landesfischereiverordnung eine Schonzeit oder ein Mindestmaß fest; ausdrücklich genannt wird er nur in der Berliner Landesfischereiordnung, in Anlage 2 unter den Fischen ohne Mindestmaß und Schonzeit. Was für den Besatz gilt, regeln andere Vorschriften (siehe die Frage „Darf man Graskarpfen im Teich halten oder besetzen?“ weiter oben).

Bundesland Schonzeit Mindest-/Entnahmemaß Hinweis
Bayern nicht aufgeführt – –
Baden-Württemberg nicht aufgeführt – –
Berlin keine Schonzeit kein Mindestmaß LFischO Anlage 2 (zu § 8 Abs. 4) – Fische ohne Mindestmaße und Schonzeiten
Brandenburg nicht aufgeführt – –
Bremen nicht aufgeführt – –
Hamburg nicht aufgeführt – –
Hessen nicht aufgeführt – –
Mecklenburg-Vorpommern nicht aufgeführt – –
Niedersachsen nicht aufgeführt – –
Nordrhein-Westfalen nicht aufgeführt – –
Rheinland-Pfalz nicht aufgeführt – –
Saarland nicht aufgeführt – –
Sachsen nicht aufgeführt – –
Sachsen-Anhalt nicht aufgeführt – –
Schleswig-Holstein nicht aufgeführt – –
Thüringen nicht aufgeführt – –

Eine von 16 Landesfischereiverordnungen führt die Art auf. „Nicht aufgeführt“ heißt: Die Verordnung nennt für die Art weder Schonzeit noch Mindestmaß; allgemeine Regeln wie Schonbezirke gelten trotzdem. Die Gewässerordnung Ihres Erlaubnisscheins kann strengere Regeln festlegen; maßgeblich ist der amtliche Verordnungstext.

Rechtsgrundlagen und Prüfdatum

Die Berliner Regeln finden Sie auch auf der Länderseite Berlin. Allgemeine Informationen zur Erlaubnis finden Sie unter Angelschein.

Graskarpfen angeln: Was Sie vor dem Ansitz wissen sollten

Der Graskarpfen ist ein Angelfisch: Das LfULG nennt ihn einen beliebten Angelfisch, Angler fangen in Sachsen jährlich 2 bis 3 Tonnen in Seen und Fließgewässern, und FishBase führt ihn als Sportfisch („gamefish“). Belege dazu, welche Köder und Methoden beim Graskarpfen funktionieren, haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden. Der Leitfaden Karpfen angeln beschreibt Köder, Montagen und Zeiten für den Karpfen (Cyprinus carpio), nicht für den Graskarpfen. Vor dem ersten Ansitz brauchen Sie in der Regel einen Fischereischein und die Erlaubnis für das Gewässer, siehe Angelschein; Gewässer finden Sie unter Angelteiche.

Woher stammen die Zahlen in diesem Steckbrief?

Die Zahlen stammen aus FishBase (Graskarpfen, Karpfen und Karausche), den Artensteckbriefen des Rote-Liste-Zentrums nach Freyhof et al. (2023), der Invasivitätsbewertung des Bundesamts für Naturschutz (Nehring et al., BfN-Skripten 409, 2015), der Leitlinie des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zur Nutzung von Graskarpfen (Füllner, 2023), dem Sächsischen Fischereigesetz, § 40 des Bundesnaturschutzgesetzes und dem Merkblatt „Karpfenteichwirtschaft“ der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Wo Quellen voneinander abweichen, etwa bei der Familie, dem Jahr der Einführung, der Temperaturspanne und der Frage, ob sich der Graskarpfen künftig fortpflanzen kann, nennt der Text beide Angaben samt Quelle. Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026.

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Häufige Fragen

Wie groß werden Graskarpfen?

Ein Graskarpfen wird nach FishBase bis zu 150 cm lang (Gesamtlänge, TL) und bis zu 45 kg schwer; das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) nennt ebenfalls bis zu 1,50 m und 45 kg. Das sind Höchstwerte der Art. Eine übliche Länge ausgewachsener Fische haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden. Nach der FishBase-Beziehung zwischen Länge und Gewicht wiegt ein 100 cm langer Graskarpfen rechnerisch rund 14 kg.

Wie alt werden Graskarpfen?

Ein Graskarpfen kann mindestens 21 Jahre alt werden: FishBase nennt 21 Jahre als höchstes berichtetes Alter, LfULG und Bundesamt für Naturschutz (BfN) schreiben, dass er mehr als 20 Jahre alt werden kann. Eine belegte durchschnittliche Lebenserwartung haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden. Geschlechtsreif wird er nach dem BfN erst nach 7 bis 10 Jahren.

Wie schnell wächst ein Graskarpfen?

Nach dem LfULG erreicht ein Graskarpfen unter sächsischen Klimabedingungen im ersten Jahr 50 g, im zweiten bis zu 500 g und nach dem dritten Sommer 2 kg. Die Angabe stammt aus einer Leitlinie für Aquakultur und Fischerei; eine belegte Wachstumstabelle für freilebende Graskarpfen haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden.

Ist der Graskarpfen essbar? Ist er ein guter Speisefisch?

Ja, der Graskarpfen ist ein Speisefisch: Nach dem LfULG hat er festes weißes Fleisch, das sich kochen und braten lässt; heiß oder kalt geräuchert fragen ihn Verbraucher in Sachsen zunehmend nach. FishBase nennt Dämpfen, Braten, Grillen und Backen als Zubereitungen. Eine belegte Geschmacksbeschreibung und einen belegten Kilopreis können wir nicht nennen; FishBase führt die Preiskategorie als unbekannt.

Was fressen Graskarpfen im Teich?

Erwachsene Graskarpfen fressen überwiegend höhere Wasserpflanzen und Unterwassergräser; bevorzugt werden nach dem LfULG weiche Pflanzen wie Wasserlinsen, Fadenalgen und frische Schilfsprossen, kaum gefressen werden Seerosen, Teichrosen und Pfeilkraut. Jungfische fressen Zooplankton und Bodentiere, erst ab etwa 10 g Stückmasse auch Wasserpflanzen. In Karpfenteichen fressen Graskarpfen außerdem das Ergänzungsfutter mit, das für die Karpfen ausgebracht wird.

Kann man Graskarpfen im Teich halten?

In Sachsen ja: Nach der Leitlinie des LfULG ist für den Besatz mit Graskarpfen in bewirtschafteten Anlagen wie Karpfenteichen grundsätzlich keine Genehmigung erforderlich. In Flüssen, Talsperren, Tagebaurestseen und nicht bewirtschafteten Teichen unterliegt der Besatz dagegen deutlich stärkeren Beschränkungen; Ausnahmen vom Besatzverbot für nicht heimische Arten bedürfen der Erlaubnis der Fischereibehörde (§ 12 Abs. 2 SächsFischG). Die Regeln der übrigen Länder haben wir nicht ausgewertet; fragen Sie die zuständige Fischereibehörde.

Quellen