Schonzeiten und Mindestmaße aller 16 Bundesländer Stand der Verordnungen: 30.09.2026
Spiegelkarpfen, kolorierter Kupferstich aus Blochs Naturgeschichte der Fische (1782–84)
Illustration: Marcus Elieser Bloch, Oeconomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands (1782–84) / Wikimedia Commons (gemeinfrei)

Karpfenarten: Schuppen-, Spiegel-, Zeil- und Lederkarpfen

Schuppen-, Spiegel-, Zeil- und Lederkarpfen sind keine eigenen Arten, sondern Beschuppungstypen ein und derselben Art, des Karpfens (Cyprinus carpio). Sie unterscheiden sich darin, wie viele Schuppen sie tragen und wo diese sitzen; vererbt wird das über zwei Gene, die seit den 1930er-Jahren erforscht sind. Dazu kommen der Wildkarpfen als Stammform und der Koi als bunte Zierform, während Graskarpfen, Karausche und Giebel zu anderen Arten gehören. Dieser Überblick stellt alle Formen mit Beschuppung, Genotyp und Vorkommen in einer Tabelle nebeneinander, jeweils mit Quelle.

Karpfen-Steckbrief: Was haben alle Karpfenformen gemeinsam?

Alle Karpfenformen tragen denselben wissenschaftlichen Namen, Cyprinus carpio, und haben vier Barteln; sie unterscheiden sich vor allem in der Beschuppung. Die Tabelle fasst die Merkmale zusammen, die für jede Form gelten.

Merkmal Karpfen (Cyprinus carpio)
Wissen­schaft­licher Name Cyprinus carpio Linnaeus, 1758
Familie Karpfenfische (Cyprinidae)
Formen Wildkarpfen (Stammform); vier Beschuppungs­typen: Schuppen-, Spiegel-, Zeil- und Lederkarpfen; Koi (Zierform)
Unter­scheidungs­merkmal der Typen Menge und Anordnung der Schuppen
Vererbung der Beschuppung zwei Gene (S und N) mit je zwei Allelen, nach den Mendelschen Regeln
Barteln vier (zwei Paar)
Gefährdung Rote Liste Deutschland 2023 (Art insgesamt): ungefährdet; Bestands­situation selten, Bestandstrend deutliche Zunahme

Welche Karpfenarten gibt es? Vier Beschuppungstypen im Vergleich

Beim Karpfen unterscheidet man vier Beschuppungstypen: Schuppenkarpfen, Spiegelkarpfen, Zeilkarpfen und Lederkarpfen, den man auch Nacktkarpfen nennt. Der Schuppenkarpfen trägt die ursprüngliche, volle Beschuppung; Spiegel-, Zeil- und Lederkarpfen sind nach Arlinghaus (1999) durch Mutationen bei der Domestikation entstanden. Als Stammform kommt der Wildkarpfen hinzu. Die Tabelle stellt alle fünf Formen nebeneinander.

Form Beschuppung Genotyp Entstehung und Vorkommen Quelle
Wildkarpfen langgestreckt, stets voll beschuppt Wildtyp der Beschuppung (wie beim Schuppenkarpfen) Stammform; in Europa ursprünglich nur im Mittel- und Unterlauf der Donau verbreitet; in Deutschland als Besatzfisch praktisch nicht verfügbar Füllner 2022; Casas et al. 2013; FishBase
Schuppenkarpfen lückenlos beschuppt, Schuppen regelmäßig angeordnet, teils überlappend, ähnlich groß SSnn oder Ssnn Zuchtform mit ursprünglicher Beschuppung, nicht gleichzusetzen mit dem Wildkarpfen; in Österreich und Südböhmen von Verbrauchern bevorzugt und weiter in Teichen erzeugt, in Deutschland wieder stärker von Anglern nachgefragt Füllner 2022; Casas et al. 2013
Spiegelkarpfen wenige sehr große, glänzende Schuppen ssnn Mutation S zu s bei der Domestikation; reinerbig vermehrbar; in der deutschen Teichwirtschaft als Zuchtfisch durchgesetzt Duden; Füllner 2022; Arlinghaus 1999
Zeilkarpfen deutlich abgegrenzte Schuppenreihe (Zeile) im Bereich der Seitenlinie, teils mit wenigen verstreuten Schuppen SsNn oder SSNn Mutation n zu N; nur spalterbig vermehrbar; NN nicht lebensfähig; geringeres Wachstum als Schuppen- und Spiegelkarpfen Füllner 2022; Casas et al. 2013; Arlinghaus 1999
Lederkarpfen (Nacktkarpfen) keine oder nur sehr wenige Schuppen ssNn Kombination beider Mutationen; nur spalterbig vermehrbar; NN nicht lebensfähig; geringste Wuchs- und Überlebensleistung Füllner 2022; Casas et al. 2013; Arlinghaus 1999

Die Genotypen folgen dem Modell von Kirpitschnikov: Großbuchstaben stehen für dominante, Kleinbuchstaben für rezessive Allele (Arlinghaus 1999).

Wie erkennen Sie die Karpfenform am Wasser?

Sicher bestimmen können Sie nur den Schuppenkarpfen, denn er ist als einziger Beschuppungstyp lückenlos beschuppt; bei den übrigen Typen gehen die Schuppenbilder ineinander über. Als Faustregel für die Beschuppung gilt:

  1. Der Körper ist lückenlos mit Schuppen bedeckt: Schuppenkarpfen, bei sehr gestreckter Gestalt der Wildkarpfen.
  2. Eine deutlich abgegrenzte Schuppenreihe an der Seitenlinie, sonst kaum Schuppen: vermutlich ein Zeilkarpfen.
  3. Einzelne, sehr große Schuppen: Spiegelkarpfen.
  4. Keine oder fast keine Schuppen: Lederkarpfen (Nacktkarpfen).

Diese Zuordnung bleibt eine Einschätzung: Nach Arlinghaus (1999) reicht die Spanne der Spiegelbeschuppung so weit, dass sie an das Schuppenbild von Schuppen-, Zeil- und Nacktkarpfen heranreicht, und auch beim Zeilkarpfen gibt es Schuppenbilder, die dem Spiegel- oder Schuppenkarpfen nahekommen. Casas et al. (2013) beobachteten eine große Streuung innerhalb des Spiegeltyps und teilten ihn deshalb in einen klassischen und einen unregelmäßigen Untertyp. Verlässlich lässt sich der Typ nach Arlinghaus nur durch Kreuzungsversuche klären.

Schuppenkarpfen: Wie sieht er aus, und ist er ein Wildkarpfen?

Der Schuppenkarpfen ist lückenlos beschuppt, zählt aber zu den Zuchtformen und ist kein Wildkarpfen. Sein ganzer Körper ist mit regelmäßig angeordneten, sich teilweise überlappenden Schuppen von sehr ähnlicher Größe bedeckt (Casas et al. 2013). Füllner (2022) nennt es einen „klassischen Karpfenirrtum“, Schuppenkarpfen und Wildkarpfen gleichzusetzen. Genetisch ist der Schuppenkarpfen SSnn (reinerbig) oder Ssnn (mischerbig). Kreuzt man zwei mischerbige Schuppenkarpfen, sind nach den Mendelschen Regeln ein Viertel der Nachkommen reinerbige Schuppenkarpfen, die Hälfte mischerbige und ein Viertel Spiegelkarpfen (Arlinghaus 1999).

In vielen Ländern bevorzugen die Verbraucher den Schuppenkarpfen, etwa in Österreich und Südböhmen, wo er nach Füllner (2022) weiterhin in Teichen erzeugt wird. In Deutschland hat sich dagegen der Spiegelkarpfen als Teichfisch durchgesetzt; neuerdings fragen aber vor allem Angler wieder vermehrt Schuppenkarpfen nach.

Sind Aischgründer, Galizier und Lausitzer Karpfen eigene Arten?

Nein, Aischgründer, Galizischer, Lausitzer und Fränkischer Karpfen sind keine eigenen Arten. Um 1920 forderte die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft diese vier Rassen, jeweils mit einem Zielverhältnis von Länge zu Höhe und einer bestimmten Beschuppung. Nach Arlinghaus (1999) erwies sich diese Einteilung als unhaltbar, weil die Körperform sehr plastisch ist und sich Zeil- und Lederkarpfen nicht reinerbig züchten lassen; in Mitteleuropa gibt es danach nur eine Karpfenrasse, die in Stämme aufgeteilt ist, also in Zuchtformen, die an die Bedingungen eines Betriebs angepasst sind. Bei Aischgründer Karpfen und Frankenkarpfen sind heute Produktstandards festgelegt, etwa ein Fettgehalt von höchstens 10 Prozent (Füllner 2022).

Spiegelkarpfen: Woran erkennt man ihn?

Der Spiegelkarpfen ist ein Karpfen mit wenigen sehr großen, glänzenden Schuppen, so definiert ihn der Duden. Casas et al. (2013) beschreiben das Muster genauer: eine nahezu durchgehende Reihe von Schuppen unterhalb der Rückenflosse und eine ähnliche, meist unvollständigere Reihe oberhalb des Bauchs, dazu einzelne verstreute Schuppen. Der Genotyp ist ssnn; Spiegelkarpfen lassen sich reinerbig vermehren (Füllner 2022).

In der deutschen Teichwirtschaft hat sich der Spiegelkarpfen durchgesetzt: Wachstum und Überlebensrate bleiben nur wenig hinter dem Schuppenkarpfen zurück, und er folgt der Gewohnheit der Verbraucher (Füllner 2022). Eine Kreuzung aus Karpfen und Schleie ist der Spiegelkarpfen nicht, auch wenn Berisch 1794 noch an solche Hybriden glaubte: Erst Kirpitschnikov (1937) und Probst (1949, 1953) klärten auf, dass zwei Gene die Beschuppung bestimmen.

Zeilkarpfen (Zeilenkarpfen): Was ist eine Zeile?

Der Zeilkarpfen trägt eine deutlich abgegrenzte Reihe gleichmäßiger Schuppen im Bereich der Seitenlinie, die „Zeile“, und sonst höchstens wenige verstreute Schuppen (Casas et al. 2013; Arlinghaus 1999). Er ist genetisch ein eigener Typ und kein Spiegelkarpfen: Der Spiegelkarpfen hat den Genotyp ssnn, der Zeilkarpfen trägt das Allel N und ist SsNn oder SSNn (Füllner 2022).

Zeilkarpfen lassen sich nur spalterbig vermehren, das heißt, nicht alle Nachkommen gleichen den Eltern (Füllner 2022). Zudem sind ihr Wachstum und ihre Überlebensrate im ersten Lebensjahr schlechter als beim Schuppen- und Spiegelkarpfen, und sie haben weniger Schlundzähne (Arlinghaus 1999). Optisch lässt sich der Zeilkarpfen nicht immer vom Spiegelkarpfen trennen, denn es gibt Zeilkarpfen mit Schuppenbildern, die dem Spiegel- oder Schuppenkarpfen nahekommen (Arlinghaus 1999).

Lederkarpfen (Nacktkarpfen): Hat er wirklich keine Schuppen?

Meistens ja, aber nicht immer: Ein Lederkarpfen hat keine oder nur sehr wenige Schuppen, die einzeln verstreut oder als unvollständige Reihe unter der Rückenflosse sitzen können (Casas et al. 2013). Lederkarpfen und Nacktkarpfen sind zwei Namen für denselben Typ mit dem Genotyp ssNn (Füllner 2022; Arlinghaus 1999).

Der Verlust der Schuppen geht mit weiteren Veränderungen einher: Casas et al. (2013) nennen stets eine verringerte Zahl der Schlundzähne und oft Flossendefekte. Nach Arlinghaus (1999) fehlen bei Nacktkarpfen häufig einzelne oder mehrere Flossenstrahlen der Rückenflosse, und die Afterflosse ist oft verkümmert. Dass dem Lederkarpfen ein Kiemenbogen fehle, wie oft zu lesen war, ist nach Arlinghaus falsch: Die Zahl der Kiemendornen ist verringert, betrifft aber alle vier Kiemenbögen gleichmäßig.

Welche Karpfenform wächst am besten?

Am besten wachsen Schuppen- und Spiegelkarpfen; ihre Leistung unterscheidet sich nach Füllner (2022) nicht gravierend. Die Wuchsleistung und die Überlebensrate nehmen vom Schuppenkarpfen über den Spiegel- und den Zeilkarpfen bis zum Nacktkarpfen hin ab. Arlinghaus (1999) nennt die Zucht von Zeil- und Lederkarpfen wirtschaftlich nicht lohnend und sieht bei ihnen starke Konkurrenznachteile.

Wildkarpfen: Gibt es ihn noch, und wie sieht er aus?

Ja, aber nur in großen Strömen: Nach FishBase kommen Wildbestände von Natur aus nur in Flüssen vor, die ins Schwarze Meer, ins Kaspische Meer und in den Aralsee entwässern; die Wildpopulation der Donau gilt als bedroht. Füllner (2022) schreibt, dass echte Wildkarpfen in Deutschland als Besatzfische praktisch nicht verfügbar sind; einzelne Fische können aus dem Unterlauf der Donau nach Deutschland gelangen.

Den Wildkarpfen erkennen Sie an der gestreckten Gestalt und an der vollen Beschuppung. Das Verhältnis von Körperlänge zu Körperhöhe liegt beim Wildkarpfen nach Füllner (2022) bei etwa 3,1 bis 3,6, nach FishBase, bezogen auf die Standardlänge, bei 3,2 bis 4,8. Teichkarpfen sind dagegen deutlich hochrückiger: Bei ihnen erreicht das Verhältnis Werte von 2,5 und darunter. Die Rote Liste führt Cyprinus carpio als eine Art; der Artensteckbrief des Rote-Liste-Zentrums (Freyhof et al. 2023) bewertet sie als ungefährdet und enthält keine eigene Bewertung für die Wildform.

Ist ein Koi ein Karpfen? Ja, eine bunte Zierform derselben Art

Ein Koi ist ein Karpfen: Koi gehören zur Art Cyprinus carpio; so steht es in tiermedizinischen Übersichten (Gotesman et al. 2013; Lewbart 2002) und bei Füllner (2022). Füllner weist darauf hin, dass „Koi“ die wörtliche japanische Übersetzung von „Karpfen“ ist und „Koi-Karpfen“ deshalb eine Tautologie darstellt. Anders als die Beschuppung werden Farben und Muster der Koi nicht monogen vererbt (Gomelsky 1998, zitiert bei Füllner); gefragte Tiere entstehen nach Füllner durch aufwändige Selektion und Aufzucht.

Woher die Koi abstammen, ist nicht ganz geklärt. Nach verbreiteter Auffassung in Japan wurden Koi direkt aus japanischen Karpfenbeständen entwickelt. Mabuchi und Song (2014) fanden jedoch, dass das mitochondriale Genom zweier japanischer Koi mit dem des chinesischen Oujiang-Buntkarpfens identisch war und dass bei 65 Prozent der bisher veröffentlichten Koi Teil- oder Gesamtsequenzen der Kontrollregion mit dem Oujiang-Buntkarpfen übereinstimmten. Das könnte nach den Autoren darauf hindeuten, dass die Koi vom chinesischen Oujiang-Buntkarpfen abstammen.

Sind Graskarpfen, Karausche und Giebel auch Karpfen? Nein, es sind eigene Arten

Graskarpfen, Karausche und Giebel sind keine Formen des Karpfens, sondern eigene Arten. Der Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella) gehört nach FishBase zu einer anderen Familie, den Xenocyprididae, und hat keine Barteln. Karausche (Carassius carassius) und Giebel (Carassius gibelio) stehen wie der Karpfen in der Familie Cyprinidae, bilden aber die Gattung Carassius. Die Karausche hat keine Barteln, während der Karpfen zwei Paar trägt (FishBase; Füllner 2022). Einen eigenen Steckbrief bietet die Seite zur Karausche.

Wie werden Schuppen-, Spiegel-, Zeil- und Lederkarpfen vererbt?

Die Beschuppung des Karpfens wird von zwei nicht gekoppelten Genen mit je zwei Allelen bestimmt, S/s und N/n, die nach den Mendelschen Regeln vererbt werden. Das klärten Kirpitschnikov (1937) und Probst (1949, 1953), zitiert bei Füllner (2022). Der Schuppenkarpfen ist SSnn oder Ssnn, der Spiegelkarpfen ssnn, der Zeilkarpfen SsNn oder SSNn und der Lederkarpfen ssNn; ein Karpfen mit zwei N-Allelen (NN) ist nicht lebensfähig (Casas et al. 2013).

Das S-Gen wurde 2009 identifiziert: Es ist fgfr1a1, ein Paralog des Gens für den Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor 1. Das N-Gen war nach Casas et al. (2013) noch nicht identifiziert. Rohner et al. (2009) fanden beim Karpfen Funktionsverlust-Allele von fgfr1a1, die bei der Domestikation zweimal unabhängig voneinander ausgelesen wurden. Reinerbig vermehren lassen sich nur Spiegelkarpfen und reinerbige Schuppenkarpfen (SSnn); Zeil-, Leder- und mischerbige Schuppenkarpfen spalten bei der Nachzucht in mehrere Typen auf (Füllner 2022).

Was ergibt die Kreuzung zweier Zeilkarpfen?

Kreuzt man zwei Zeilkarpfen mit dem Genotyp SsNn, ist nach dem Modell von Kirpitschnikov ein Viertel der Nachkommen nicht lebensfähig, der Rest verteilt sich auf vier Typen. Die Tabelle zeigt die erwarteten Anteile nach Casas et al. (2013).

Nachkommen Anteil
Zeilkarpfen 6/16 (37,5 %)
Schuppenkarpfen 3/16 (18,75 %)
Lederkarpfen (Nacktkarpfen) 2/16 (12,5 %)
Spiegelkarpfen 1/16 (6,25 %)
nicht lebensfähig (NN) 4/16 (25 %)

In der Praxis trifft das Modell nicht auf jeden Bestand zu: Bei Kreuzungen zweier Lederkarpfen, bei denen mindestens ein Elternteil asiatischer Herkunft oder ein Hybride mit asiatischen Eltern war, beobachteten Casas et al. (2013) die erwarteten 25 Prozent früher Verluste; bei zwei ungarischen Lederkarpfen als Eltern blieben sie aus.

Gelten Schonzeit und Mindestmaß für alle Karpfenformen? Die Tabelle für 16 Bundesländer

Kein Bundesland unterscheidet bei Schonzeit und Mindestmaß zwischen Schuppen-, Spiegel-, Zeil- und Lederkarpfen. Eine Schonzeit für den Karpfen gibt es nur in Hessen, und dort gelten Schonzeit und Entnahmemaß ausdrücklich für die „Wildform“; Bremen und Niedersachsen schreiben kein Mindestmaß vor. Die Tabelle zeigt alle 16 Länder im Vergleich.

Bundesland Schonzeit Mindest-/Entnahmemaß Hinweis
Bayern keine Schonzeit 35 cm –
Baden-Württemberg keine Schonzeit 35 cm im Bodensee-Obersee 25 cm
Berlin keine Schonzeit 35 cm –
Brandenburg keine Schonzeit 35 cm –
Bremen keine Schonzeit kein Mindestmaß –
Hamburg keine Schonzeit 35 cm –
Hessen 15.03.–31.05. 45–60 cm gilt für die Wildform
Mecklenburg-Vorpommern keine Schonzeit 40 cm –
Niedersachsen keine Schonzeit kein Mindestmaß –
Nordrhein-Westfalen keine Schonzeit 35 cm –
Rheinland-Pfalz keine Schonzeit 35 cm –
Saarland keine Schonzeit 35 cm –
Sachsen keine Schonzeit 40 cm –
Sachsen-Anhalt keine Schonzeit 35 cm –
Schleswig-Holstein keine Schonzeit 35 cm –
Thüringen keine Schonzeit 35 cm –

Stand der Landesverordnungen: 30. September 2026. Alle Werte mit Quelle und Paragraf: Schonzeiten für den Karpfen in allen Bundesländern. Maßgeblich sind der amtliche Verordnungstext und die Gewässerordnung Ihres Erlaubnisscheins.

Die Hessische Fischereiverordnung (HFischV) vom 14. April 2023 führt in der Tabelle zu § 2 Abs. 1 den „Karpfen (Wildform)“ mit einer Schonzeit vom 15. März bis 31. Mai und einem Entnahmemaß von 45 bis 60 cm. „Karpfen (Teichformen)“ nennt sie in § 12 Abs. 2 unter den Arten, die „nur in stehenden Gewässern, die ständig gegen einen Fischwechsel abgesperrt sind, besetzt werden“ dürfen. Was als Wildform gilt, definiert die Verordnung nicht; ob Schonzeit und Entnahmemaß in Ihrem Gewässer auch für Spiegel- oder Schuppenkarpfen aus Besatz gelten, klären Sie vor dem Ansitz bei der zuständigen Fischereibehörde. Alle Regeln zum Karpfen finden Sie unter Schonzeit Karpfen; allgemeine Informationen zur Erlaubnis stehen unter Angelschein.

Karpfen angeln: Welche Form fangen Sie?

Welche Karpfenform Sie fangen, hängt vom Besatz des Gewässers ab: In deutschen Teichwirtschaften hat sich der Spiegelkarpfen als Zuchtfisch durchgesetzt, und neuerdings fragen Angler wieder vermehrt Schuppenkarpfen nach (Füllner 2022). Welche Formen in Ihrem Gewässer schwimmen, erfahren Sie beim Bewirtschafter. Wie Sie Karpfen angeln, erklärt der Leitfaden Karpfen angeln; Gewässer finden Sie unter Angelteiche.

Woher stammen die Angaben in diesem Überblick?

Die Angaben stammen aus FishBase (Cyprinus carpio, Graskarpfen, Karausche, Giebel), dem Artensteckbrief des Rote-Liste-Zentrums nach Freyhof et al. (2023), dem Übersichtsartikel von Gert Füllner (Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie) in den „Berichten über Landwirtschaft“ 2022, der Genetikstudie von Casas et al. (PLOS ONE 2013), der Arbeit von Rohner et al. (Current Biology 2009), der mitochondrialen Untersuchung von Mabuchi und Song (2014), zwei tiermedizinischen Übersichten zum Koi, dem Aufsatz „Karpfenrassen“ von Robert Arlinghaus (1999), dem Duden und der Hessischen Fischereiverordnung. Wo Quellen abweichen, etwa beim Verhältnis von Körperlänge zu Körperhöhe, nennt der Text beide Werte. Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026.

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Häufige Fragen

Hat der Karpfen Schuppen?

Ja, aber nicht jeder Karpfen gleich viele: Der Schuppenkarpfen ist lückenlos beschuppt, der Spiegelkarpfen trägt nur wenige sehr große Schuppen, der Zeilkarpfen eine Schuppenreihe im Bereich der Seitenlinie, und der Lederkarpfen (Nacktkarpfen) hat keine oder nur sehr wenige Schuppen. Alle vier gehören zur selben Art, Cyprinus carpio.

Ist ein Koi ein Karpfen?

Ja, der Koi ist eine bunte Zierform des Karpfens (Cyprinus carpio). „Koi“ ist die wörtliche japanische Übersetzung von „Karpfen“; „Koi-Karpfen“ ist deshalb eine Tautologie. Die Farben der Koi werden anders als die Beschuppung nicht monogen vererbt.

Was ist der Unterschied zwischen Schuppenkarpfen und Spiegelkarpfen?

Der Schuppenkarpfen ist am ganzen Körper lückenlos beschuppt, der Spiegelkarpfen trägt nur wenige sehr große, glänzende Schuppen. Genetisch ist der Schuppenkarpfen SSnn oder Ssnn, der Spiegelkarpfen ssnn. Kreuzt man zwei mischerbige Schuppenkarpfen (Ssnn), ist ein Viertel des Nachwuchses Spiegelkarpfen.

Ist der Zeilkarpfen ein Spiegelkarpfen?

Nein, der Zeilkarpfen ist genetisch ein eigener Typ: Er trägt das Allel N (SsNn oder SSNn), der Spiegelkarpfen ist ssnn. Optisch lassen sich beide nicht immer trennen, weil es Zeilkarpfen mit Schuppenbildern gibt, die dem Spiegelkarpfen nahekommen.

Wie viele Barteln hat der Karpfen?

Der Karpfen hat vier Barteln, also zwei Paar. Das unterscheidet ihn von der bartellosen Karausche und vom Graskarpfen, der ebenfalls keine Barteln besitzt.

Ist der Graskarpfen auch ein Karpfen?

Nein, der Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella) ist eine eigene Art und gehört nach FishBase zu einer anderen Familie (Xenocyprididae) als der Karpfen (Cyprinidae). Er hat keine Barteln.

Quellen