Schonzeiten und Mindestmaße aller 16 Bundesländer Stand der Verordnungen: 30.09.2026
Dorsch, kolorierter Kupferstich aus Blochs Naturgeschichte der Fische (1782–84)
Illustration: Marcus Elieser Bloch, Oeconomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands (1782–84) / Wikimedia Commons (gemeinfrei)

Dorsch (Kabeljau): Größe, Merkmale und Lebensraum

Dorsch und Kabeljau sind dieselbe Art: Gadus morhua, englisch Atlantic cod. Das Rote-Liste-Zentrum nennt die Tiere der deutschen Nordsee Kabeljau und die der deutschen Ostsee Dorsch. Üblich ist nach FishBase und DAFV eine Länge von rund 100 cm; als Höchstwerte nennt FishBase 200 cm Gesamtlänge und 96 kg. In der Ostsee ist die Freizeitfischerei auf Dorsch in den ICES-Unterdivisionen 22 bis 32 nach Artikel 10 der Verordnung (EU) 2025/2454 für 2026 verboten. Dieser Steckbrief nennt Größe, Gewicht, Alter, Laichzeit, Lebensraum und Gefährdung mit Quelle, erklärt den Unterschied zwischen Dorsch und Kabeljau und gibt den Wortlaut der EU-Regel wieder.

Dorsch-Steckbrief: Größe, Gewicht, Alter, Laichzeit und Gefährdung auf einen Blick

Ein Dorsch ist üblicherweise rund 100 cm lang, kann bis zu 25 Jahre alt werden und laicht im Winter und Frühjahr. Die Werte stammen aus FishBase, dem Deutschen Angelfischerverband (DAFV), dem Rote-Liste-Zentrum, dem Thünen-Institut, dem Fisch-Informationszentrum (FIZ) und dem Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES); die Quellen sind am Ende der Seite aufgeführt. Weichen sie voneinander ab, steht die Spanne in der Tabelle.

Merkmal Dorsch (Gadus morhua)
Wissen­schaft­licher Name Gadus morhua Linnaeus, 1758
Weitere Namen Kabeljau; englisch Atlantic cod, cod; Nordsee: Kabeljau, Ostsee: Dorsch (Rote-Liste-Zentrum)
Familie Dorsche (Gadidae)
Länge üblich rund 100 cm (FishBase: 100 cm Gesamtlänge; DAFV: durchschnittlich ca. 100 cm), nach dem FIZ meist 40 bis 150 cm; Höchstwert 200 cm Gesamtlänge (FishBase), DAFV: bis 160 cm
Gewicht höchstes veröffentlichtes Gewicht 96 kg (FishBase); FIZ: bis 90 kg bei großen Nordatlantik-Kabeljauen; DAFV: über 40 kg
Alter bis zu 25 Jahre (FishBase, DAFV); FIZ: über 20 Jahre
Geschlechts­reife mittlere Länge bei der ersten Reife 65,4 cm, Spanne 31 bis 74 cm (FishBase, ohne Angabe der Längenart)
Laichzeit Winter und Frühjahrsbeginn (FishBase); westliche Ostsee Ende Februar bis Ende Mai, östliche Ostsee zuletzt Juni bis September (Thünen, Stand 2007)
Lebensraum Meer und Brackwasser, 0 bis 600 m Tiefe, meist 150 bis 200 m, bei 0 bis 15 °C (FishBase)
Nahrung Krebstiere, Würmer, Schnecken, Muscheln und Fische, auch junge Dorsche (FishBase, DAFV)
Raub- oder Friedfisch Raubfisch im weiteren Sinn: frisst Wirbellose und Fische, Nahrungsstufe 4,1 (FishBase)
Süß- oder Salzwasser Salzwasser; verträgt Brackwasser
Merkmale Bartel am Unterkiefer, dreigeteilte Rückenflosse, zweigeteilte Afterflosse, helle Seitenlinie (FishBase, DAFV)
Verwendung einer der wichtigsten Speisefische Europas; mildes, zartes, leicht süßliches Fleisch (FIZ)
Gefährdung Rote Liste Meeresfische Deutschland 2025: ungefährdet, Bestand häufig, kurzfristig starke Abnahme; IUCN: europaweit Least Concern (Bewertung 2015, nach Rote-Liste-Zentrum), weltweit Vulnerable (Bewertung 1996, nach FishBase)

Dorsch oder Kabeljau: Ist das derselbe Fisch? Ja, dieselbe Art

Ja, Dorsch und Kabeljau sind dieselbe Art, Gadus morhua; welcher Name gebraucht wird, hängt vor allem vom Meer ab. Das Rote-Liste-Zentrum nennt die Exemplare in den deutschen Nordseegebieten „Kabeljau“ und die in den deutschen Ostseegebieten „Dorsch“. Beide Wörter sind männlich: der Dorsch, der Kabeljau (Duden). Die Tabelle zeigt, wie die Quellen die Namen abgrenzen.

Quelle Aussage zu den Namen
Rote-Liste-Zentrum (Thiel et al. 2025) Nordsee: Kabeljau, Ostsee: Dorsch
DAFV (Fisch des Jahres 2024) In der Ostsee heißt er Dorsch, im Nordseeraum bis in den nördlichen Atlantik vielfach auch Kabeljau
FIZ Fischlexikon In der Ostsee heißt der Kabeljau Dorsch; in der Nordsee werden große Dorsche Kabeljau genannt
Duden Dorsch: junger Kabeljau oder kleiner, in der Ostsee vorkommender Kabeljau; Kabeljau: großer, besonders im Nordatlantik heimischer, olivgrün gefleckter Raubfisch
Handelsbezeichnung (BLE-Verzeichnis, wiedergegeben vom FIZ) Gadus morhua heißt im Handel Dorsch; die Bezeichnung Kabeljau darf für alle Arten der Gattung Gadus verwendet werden

Rechtlich ist beides erlaubt: Das FIZ schreibt, die Art dürfe je nach Fanggebiet als Kabeljau oder als Dorsch verkauft werden.

Wann wird der Dorsch zum Kabeljau?

Es gibt keine feste Größe und kein festes Alter, ab dem aus einem Dorsch ein Kabeljau wird: Die geprüften Quellen nennen keine Längengrenze. Der Duden führt als erste Bedeutung von Dorsch „junger Kabeljau“, und das FIZ nennt in der Nordsee große Dorsche Kabeljau; der Name hängt also vor allem vom Meer, in der Umgangssprache teils auch von der Größe ab.

Dorsch auf Englisch: cod, codfish oder codling?

Auf Englisch heißt der Dorsch cod; FishBase führt die Art unter dem Namen Atlantic cod. Dieselbe Bezeichnung gilt für den Kabeljau, weil beide Namen dieselbe Art meinen. Unter den Trivialnamen der Art nennt FishBase auch Cod-fish und Codling. Codling bedeutet nach Dictionary.com (USA) junger Dorsch; das Wort bezeichnet daneben eine Kochapfelsorte, ist also nicht immer ein Fischname.

Wie groß und schwer wird ein Dorsch? Üblich rund 100 cm, höchstens 200 cm

Ein Dorsch ist üblicherweise rund 100 cm lang und wird nach FishBase höchstens 200 cm lang; als höchstes veröffentlichtes Gewicht nennt FishBase 96 kg. Beide Längenwerte sind Gesamtlängen (TL, mit Schwanzflosse gemessen). Die Tabelle zeigt, wie weit die Quellen bei den Höchstwerten auseinanderliegen.

Quelle Üblich oder durchschnittlich Höchstlänge Höchstgewicht Höchstalter
FishBase 100 cm (TL) 200 cm (TL) 96 kg 25 Jahre
DAFV ca. 100 cm bis 160 cm über 40 kg bis 25 Jahre
FIZ meist 40 bis 150 cm bis 1,5 m bis 90 kg (große Nordatlantik-Kabeljaue) über 20 Jahre

Bei der üblichen Länge stimmen FishBase und DAFV mit rund 100 cm überein, bei den Höchstwerten liegen die Quellen weit auseinander; DAFV und FIZ geben keine Längenart an. Der Duden beschreibt den Dorsch als kleinen, in der Ostsee vorkommenden Kabeljau; eine belegte Durchschnittsgröße speziell für Ostsee-Dorsche haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden.

Wie schwer ist ein Dorsch bei 40, 60, 80 und 100 cm?

Ein Dorsch von 40 cm wiegt rechnerisch rund 0,6 kg, einer von 100 cm rund 10 kg. Grundlage ist die Längen-Gewichts-Beziehung, die FishBase für die Art angibt: Gewicht in Gramm = 0,00676 × Länge in cm hoch 3,08 (Gesamtlänge, Schätzung aus Daten zur Art). Die Werte der Tabelle sind eigene Berechnungen nach dieser Formel und gerundet.

Gesamtlänge Rechnerisches Gewicht
40 cm rund 0,6 kg
60 cm rund 2 kg
80 cm rund 5 kg
100 cm rund 10 kg

Einzelne Fische weichen ab: FishBase nennt für die beiden Zahlen der Formel Vertrauensbereiche (0,00606 bis 0,00754 und 3,05 bis 3,11). Rechnet man mit den Grenzen beider Bereiche, ergeben sich bei 40 cm 0,5 bis 0,7 kg und bei 100 cm 7,6 bis 12,5 kg.

Woran erkennt man einen Dorsch? Bartel am Unterkiefer und drei Rückenflossen

Einen Dorsch erkennt man an der kräftigen Bartel am Unterkiefer, dem vorstehenden Oberkiefer und der hellen, über der Brustflosse gebogenen Seitenlinie. FishBase und der DAFV beschreiben ihn mit diesen Merkmalen:

  • Bartel: Am Unterkiefer sitzt eine auffällige, kräftige Bartel.
  • Maul: Der Oberkiefer steht vor (FishBase).
  • Flossen: Die Rückenflosse ist dreigeteilt, die Afterflosse zweigeteilt (DAFV). Nach FishBase hat der Dorsch keine Stachelstrahlen, insgesamt 44 bis 55 Weichstrahlen in den Rückenflossen und 33 bis 45 in den Afterflossen.
  • Seitenlinie: Sie ist hell und über den Brustflossen gebogen (FishBase).
  • Färbung: sehr variabel. Rücken und obere Flanken sind nach FishBase bräunlich bis grünlich oder grau, der Bauch ist hell und silbrig; der DAFV nennt ein fleckiges Grau, Sandbraun und Grünlich, mit immer hellerer Bauchseite.
  • Körper: spindelförmig mit ovalem Querschnitt; die Körperhöhe beträgt etwa ein Fünftel der Gesamtlänge (FishBase).

Wie unterscheidet man Dorsch, Schellfisch und Seelachs?

Dorsch, Schellfisch und Seelachs gehören nach FishBase alle zur Familie der Dorsche (Gadidae); sie unterscheiden sich vor allem in Bartel, Seitenlinie und Färbung. Die Tabelle stellt die Merkmale und Höchstwerte nach FishBase nebeneinander.

Merkmal Dorsch Schellfisch Seelachs (Köhler)
Wissen­schaft­licher Name Gadus morhua Melanogrammus aeglefinus Pollachius virens
Bartel am Unterkiefer auffällig eher klein klein
Seitenlinie hell, über der Brustflosse gebogen dunkel, ununterbrochen bis fast zum Körperende hell, auf ganzer Länge glatt
Besonderes Merkmal Oberkiefer steht vor großer dunkler Fleck über der Brustflosse, unterhalb der Seitenlinie Rücken bräunlich-grün, zum Bauch nur wenig heller
Höchstlänge 200 cm (TL) 112 cm (TL) 130 cm (TL)
Höchstgewicht 96 kg 16,8 kg 32 kg
Höchstalter 25 Jahre 20 Jahre 25 Jahre

Die Handelsbezeichnungen Seelachs und Köhler dürfen nach dem BLE-Verzeichnis für alle Arten der Gattung Pollachius verwendet werden (wiedergegeben vom FIZ); die Tabelle zeigt Pollachius virens. Weitere Meeresfische finden Sie unter Meeresfische im Überblick.

Wo lebt der Dorsch? Im Nordatlantik, in der Nordsee und in der Ostsee

Der Dorsch lebt im Nordatlantik und in den angrenzenden Meeren: nach FishBase von der Ungava-Bucht in Kanada bis zum Kap Hatteras in North Carolina, an beiden Küsten Grönlands, um Island und von der Barentssee entlang der europäischen Küste bis zur Biskaya, dazu in der Karasee. Nach dem DAFV kommt er in der Ostsee überall außer im Bottnischen Meerbusen vor. Er lebt vom Ufer bis auf den Festlandsockel: FishBase nennt 0 bis 600 m Tiefe, meist 150 bis 200 m, und Temperaturen von 0 bis 15 °C; der DAFV nennt 0 bis 10 °C als bevorzugten Bereich, bis 20 °C werden vertragen. Junge Dorsche bevorzugen nach FishBase flaches Wasser von weniger als 10 bis 30 m Tiefe mit Seegras, Kies oder Steinen, erwachsene Tiere meist tieferes, kälteres Wasser. Tagsüber bilden sie Schwärme 30 bis 80 m über dem Grund, nachts verteilen sie sich.

Ist der Dorsch ein Süßwasserfisch?

Nein, der Dorsch ist ein Meeresfisch, der auch Brackwasser verträgt. FishBase ordnet ihn als Meeres- und Brackwasserfisch ein (marine, brackish), der DAFV schreibt, er vertrage Salzkonzentrationen von Brackwasser bis zu Meerwasser. Angaben zu einem Vorkommen im Süßwasser machen die geprüften Quellen nicht.

Welche Dorschbestände gibt es in der Ostsee?

In der Ostsee leben zwei Dorschbestände: der westliche in den ICES-Unterdivisionen 22 bis 24 und der östliche in den Unterdivisionen 24 bis 32. Nach Bleil und Oeberst (2007; Institut für Ostseefischerei, heute Thünen-Institut) heißt der westliche Bestand auch „Beltsee-Bestand“ und der östliche auch „Ostseedorsch“. Die Kieler und die Mecklenburger Bucht gehören zur Unterdivision 22, die Arkonasee zur Unterdivision 24. Beide Bestände unterscheiden sich in biologischen Merkmalen, die äußerlich nicht erkennbar sind, und haben unterschiedliche Laichzeiten und Laichgebiete; der ICES bewertet sie getrennt.

Was frisst der Dorsch? Krebstiere, Würmer, Schnecken, Muscheln und Fische

Der Dorsch frisst Krebstiere, Würmer, Schnecken, Muscheln und Fische; FishBase nennt ihn einen Allesfresser (omnivor), der in der Dämmerung Wirbellose und Fische jagt, darunter junge Dorsche. Als Beutefische nennt der DAFV Heringe, Sandaale und Sprotten; zum Hering gibt es einen eigenen Steckbrief. FishBase gibt für den Dorsch eine Nahrungsstufe von 4,1 an, berechnet aus Nahrungsstudien. Mehr zu Fischfressern finden Sie unter Raubfische im Überblick.

Wann und wo laicht der Dorsch? Im Winter und Frühjahr, in der Ostsee je nach Bestand

Der Dorsch laicht im Winter und zu Beginn des Frühjahrs (FishBase); in der Ostsee hängt die Laichzeit vom Bestand ab. Der westliche Bestand laicht nach Bleil und Oeberst (2007) von Ende Februar bis Ende Mai mit dem Höhepunkt im März und April, der östliche nach Untersuchungen von 2007 zuletzt von Juni bis September. Die Tabelle zeigt, was die Quellen angeben.

Quelle Gebiet Laichzeit
FishBase allgemein Winter und Frühjahrsbeginn; in der Ostsee Höhepunkt im März
FIZ allgemein Winter bis Frühjahr
DAFV Ostsee April bis Mai; in anderen Teilen des Verbreitungsgebiets kann der Zeitraum stark abweichen
Thünen (Bleil und Oeberst 2007) westliche Ostsee Ende Februar bis Ende Mai, Höhepunkt im März und April
Thünen (Bleil und Oeberst 2007) östliche Ostsee Hauptlaichperiode zuletzt Juni bis September

Die Angaben widersprechen sich nicht grundsätzlich, sondern beschreiben verschiedene Gebiete und Zeiten; der DAFV nennt für die Ostsee April bis Mai, ohne den Bestand anzugeben. Gelaicht wird am Grund tiefer Gewässer: FishBase nennt 50 bis 200 m Tiefe und 0 bis 12 °C, in der Ostsee Wassertiefen unterhalb von 20 m. Der westliche Bestand laicht nach Bleil und Oeberst (2007) in den tiefen Seegebieten von Dänischer Beltsee, Kieler und Mecklenburger Bucht und Fehmarnbelt bei Wassertiefen von 20 m und mehr, in der Arkonasee von 40 m und mehr.

Ein Dorschweibchen legt sehr viele Eier: FishBase nennt 2,5 Millionen Eier bei einem Weibchen von 5 kg und als Höchstwert 9 Millionen bei 34 kg, der DAFV bis zu 500.000 Eier je Kilogramm Körpergewicht. Die Embryonen entwickeln sich bei 6 °C in etwa 14 Tagen; die Larven leben nach FishBase bis zu 2,5 Monate im freien Wasser, bevor sie sich am Boden niederlassen.

Ist der Dorsch gefährdet? Rote Liste: ungefährdet, aber mit starker Abnahme

Der Dorsch gilt in der Roten Liste der marinen Fische und Neunaugen Deutschlands von 2025 als ungefährdet, obwohl der kurzfristige Bestandstrend eine starke Abnahme zeigt. Das Rote-Liste-Zentrum nennt die aktuelle Bestandssituation „häufig“, den langfristigen Trend „mäßiger Rückgang“ und den kurzfristigen „starke Abnahme“; die Kategorie ist gegenüber der vorherigen Roten Liste unverändert (Thiel et al. 2025). Ausschlaggebend für die Einstufung war nach dem Kommentar des Rote-Liste-Zentrums die aktuelle Bestandssituation. Hält die Abnahme in Nord- und Ostsee an, schließt das Rote-Liste-Zentrum eine veränderte Bestandssituation und damit eine andere Kategorie nicht aus.

Weltweit gehen die Bewertungen auseinander: FishBase führt den Dorsch nach der IUCN als Vulnerable (gefährdet), bewertet am 1. August 1996. Das Rote-Liste-Zentrum hält diese Bewertung für veraltet und stützt sich auf die europaweite Bewertung von 2015, nach der die Art ungefährdet (Least Concern) ist. Die HELCOM stuft den Dorsch dagegen für die gesamte Ostsee als gefährdet (Vulnerable) ein (2013, zitiert nach dem Rote-Liste-Zentrum).

Wie steht es um den Dorsch in der Ostsee?

Schlecht: Der ICES empfiehlt für beide Ostsee-Bestände, bei Anwendung des Vorsorgeansatzes nichts zu fangen. Für den westlichen Bestand (Unterdivisionen 22 bis 24) rät er in seiner Beratung von 2025 zu keinem Fang in den Jahren 2026 und 2027, für den östlichen Bestand (Unterdivisionen 24 bis 32) in seiner Beratung von 2026 zu keinem Fang in den Jahren 2027 und 2028. Das sind wissenschaftliche Empfehlungen, keine Rechtsakte.

Als Ursachen für den schlechten Zustand der westlichen Ostsee nennt das Rote-Liste-Zentrum die jahrzehntelange Überfischung (Möllmann et al. 2021), größere sauerstoffarme Bereiche und die starke sommerliche Erwärmung des Oberflächenwassers, die vor allem jungen Dorschen den Lebensraum im Flachwasser nimmt (Barz und Zimmermann 2024). Möllmann et al. (2021) kommen zu dem Schluss, dass der Bestand einen Kipppunkt überschritten hat und sich deshalb wohl nicht schnell erholt. Der DAFV nennt Erwärmung und Nährstoffeinträge als dominierende Faktoren.

Wie steht es um den Kabeljau in der Nordsee?

Nach dem Rote-Liste-Zentrum lag die Laicherbestandsbiomasse des Kabeljaus in Nordsee, östlichem Ärmelkanal und Skagerrak nach der Einschätzung des ICES von 2022 unter dem Referenzwert MSY Btrigger, die fischereiliche Sterblichkeit dagegen unter dem Referenzwert FMSY. Für die südliche Nordsee wird die niedrige Produktivität oft mit steigenden Temperaturen erklärt, wobei noch nicht eindeutig ist, ob die Wärme direkt wirkt oder über das Nahrungsangebot der Larven (Barz und Zimmermann 2024).

Darf man 2026 Dorsch in der Ostsee angeln? Nein, die Freizeitfischerei ist verboten

Nein: In den ICES-Unterdivisionen 22 bis 32 der Ostsee ist die Freizeitfischerei auf Dorsch 2026 verboten, und ein versehentlich gefangener Dorsch muss unverzüglich ins Meer zurück. Rechtsgrundlage ist Artikel 10 der Verordnung (EU) 2025/2454; er lautet im Wortlaut (EUR-Lex):

Absatz 1: „Die Freizeitfischerei auf Dorsch ist in den Unterdivisionen 22 bis 32 verboten. Jedes versehentlich gefangene Exemplar Dorsch muss unverzüglich ins Meer zurückgeworfen werden.“

Absatz 2: „Unbeschadet des Absatzes 1 dürfen unbeabsichtigte Beifänge von Dorsch in der Freizeitfischerei auf andere Arten in den Unterdivisionen 27 bis 32 behalten werden.“

Absatz 1 verbietet das Angeln auf Dorsch; wer auf eine andere Art angelt und einen Dorsch fängt, muss ihn zurücksetzen. Absatz 2 erlaubt es nur in den Unterdivisionen 27 bis 32, einen solchen Beifang zu behalten. Die Kieler und die Mecklenburger Bucht gehören nach Bleil und Oeberst (2007) zur Unterdivision 22, die Arkonasee zur Unterdivision 24; beide liegen außerhalb der Unterdivisionen 27 bis 32, Absatz 2 greift dort also nicht. Für die Nordsee gilt dieser Artikel nicht.

Das Verbot ist nicht neu: Nach dem DAFV gilt für Angler seit dem 1. Januar 2024 ein komplettes Dorschfangverbot, zuvor galt eine Tagesfangbegrenzung (Bag-Limit); das Rote-Liste-Zentrum nennt für die westliche Ostsee dasselbe Datum. Die Regel in Artikel 10 gilt für 2026; welche Regeln danach gelten, beschließt die EU neu. Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026. Landesregeln an der Küste finden Sie auf den Seiten Schonzeiten Mecklenburg-Vorpommern und Schonzeiten Schleswig-Holstein.

Schonzeit und Mindestmaß für Dorsch in allen 16 Bundesländern

Von den 16 Bundesländern führt nur Schleswig-Holstein den Dorsch in den Tabellen seiner Fischereiverordnungen auf, und zwar mit Mindestmaßen, aber ohne Schonzeit.

Bundesland Schonzeit Mindest-/Entnahmemaß Hinweis
Bayern nicht aufgeführt – –
Baden-Württemberg nicht aufgeführt – –
Berlin nicht aufgeführt – –
Brandenburg nicht aufgeführt – –
Bremen nicht aufgeführt – –
Hamburg nicht aufgeführt – –
Hessen nicht aufgeführt – –
Mecklenburg-Vorpommern nicht aufgeführt – –
Niedersachsen nicht aufgeführt – –
Nordrhein-Westfalen nicht aufgeführt – –
Rheinland-Pfalz nicht aufgeführt – –
Saarland nicht aufgeführt – –
Sachsen nicht aufgeführt – –
Sachsen-Anhalt nicht aufgeführt – –
Schleswig-Holstein (Binnengewässer) keine Schonzeit 35 cm –
Schleswig-Holstein (Küstengewässer – Nordsee) keine Schonzeit 35 cm –
Schleswig-Holstein (Küstengewässer – Ostsee) keine Schonzeit 38 cm EU-Fangverbot für Freizeitangler in der Ostsee 2026 kommt hinzu (nicht Teil der KüFVO)
Thüringen nicht aufgeführt – –

Eine von 16 Landesfischereiverordnungen führt die Art auf. „Nicht aufgeführt“ heißt: Die Verordnung nennt für die Art weder Schonzeit noch Mindestmaß; allgemeine Regeln wie Schonbezirke gelten trotzdem. Die Gewässerordnung Ihres Erlaubnisscheins kann strengere Regeln festlegen; maßgeblich ist der amtliche Verordnungstext.

Rechtsgrundlagen und Prüfdatum

Die Tabelle zeigt nur das Landesrecht; das EU-Angelverbot für die Ostsee (Artikel 10 der Verordnung (EU) 2025/2454) kommt hinzu. Allgemeine Informationen zur Erlaubnis finden Sie unter Angelschein.

Woher stammen die Zahlen in diesem Steckbrief?

Die Zahlen stammen aus FishBase (Artenseiten von Dorsch, Schellfisch und Seelachs sowie die Namensliste des Dorsches), dem Folder des DAFV zum Fisch des Jahres 2024, dem Artensteckbrief des Rote-Liste-Zentrums zur Roten Liste der marinen Fische und Neunaugen (Thiel et al. 2025), dem Forschungsreport des Instituts für Ostseefischerei (Bleil und Oeberst 2007, heute Thünen-Institut), den Beratungen des ICES zu den beiden Ostsee-Beständen, dem Fischlexikon und den Handelsbezeichnungen des Fisch-Informationszentrums (FIZ), dem Duden und Dictionary.com (USA). Den Wortlaut der EU-Regel liefert Artikel 10 der Verordnung (EU) 2025/2454 auf EUR-Lex. Wo Quellen voneinander abweichen, etwa bei Höchstlänge, Höchstgewicht, Höchstalter und Laichzeit, nennt der Text die Spannweite samt Quellen. Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026.

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Häufige Fragen

Sind Kabeljau und Dorsch das Gleiche?

Ja, Dorsch und Kabeljau sind dieselbe Art, Gadus morhua. Das Rote-Liste-Zentrum nennt die Tiere der deutschen Nordsee Kabeljau und die der deutschen Ostsee Dorsch; nach dem Duden ist ein Dorsch ein junger Kabeljau oder ein kleiner, in der Ostsee vorkommender Kabeljau. Eine feste Längengrenze, ab der aus einem Dorsch ein Kabeljau wird, nennen die geprüften Quellen nicht.

Wie heißt Dorsch auf Englisch?

Auf Englisch heißt der Dorsch cod; FishBase führt die Art unter dem Namen Atlantic cod (Gadus morhua). Dieselbe Bezeichnung gilt für den Kabeljau. Codling bedeutet nach Dictionary.com (USA) junger Dorsch.

Wie groß wird ein Dorsch?

Üblich sind rund 100 cm (FishBase: 100 cm Gesamtlänge; DAFV: durchschnittlich ca. 100 cm). Als Höchstwerte nennt FishBase 200 cm Gesamtlänge und 96 kg, der DAFV 160 cm und über 40 kg, das Fisch-Informationszentrum bis 1,5 m und bis 90 kg.

Ist der Dorsch ein Süßwasserfisch?

Nein, der Dorsch ist ein Meeresfisch, der auch Brackwasser verträgt (FishBase: marine, brackish; DAFV: Brackwasser bis Meerwasser). Angaben zu einem Vorkommen im Süßwasser machen die geprüften Quellen nicht.

Gilt das Angelverbot für Dorsch in der Ostsee auch 2026?

Ja. Nach Artikel 10 Absatz 1 der Verordnung (EU) 2025/2454 ist die Freizeitfischerei auf Dorsch in den ICES-Unterdivisionen 22 bis 32 verboten, und jedes versehentlich gefangene Exemplar muss unverzüglich ins Meer zurückgeworfen werden. Die Regel gilt für 2026; nach dem DAFV gilt für Angler schon seit dem 1. Januar 2024 ein komplettes Dorschfangverbot.

Ist der Dorsch gefährdet?

In Deutschland gilt der Dorsch nach der Roten Liste der marinen Fische von 2025 als ungefährdet, der kurzfristige Bestandstrend zeigt aber eine starke Abnahme (Rote-Liste-Zentrum). Für beide Ostsee-Bestände rät der ICES zu keinem Fang. FishBase führt den Dorsch nach einer IUCN-Bewertung von 1996 als Vulnerable; das Rote-Liste-Zentrum stützt sich auf die europaweite Bewertung von 2015 (Least Concern).

Quellen