Die Aalmutter (Zoarces viviparus) ist ein aalförmiger, lebendgebärender Bodenfisch der Küsten von Nord- und Ostsee: Die Jungfische kommen voll entwickelt zur Welt (Umweltprobenbank des Bundes). Sie ist üblicherweise 30 cm lang und wird höchstens 52 cm lang (Gesamtlänge, FishBase); das höchste veröffentlichte Gewicht liegt bei 510 g. Die Paarung findet im August und September statt, die Jungen kommen im Winter zur Welt. Sie gehört weder zu den Quappen noch zu den Aalen, sondern zur eigenen Familie der Zoarcidae. Ihre Gräten sind durch den Gallenfarbstoff Biliverdin grün, und nach der Roten Liste der Meeresfische von 2025 gilt sie in Deutschland als ungefährdet. Dieser Steckbrief nennt Größe, Fortpflanzung, Essbarkeit und Gefährdung mit Quelle.
Aalmutter-Steckbrief: Größe, Fortpflanzung, Lebensraum und Gefährdung auf einen Blick
Die Aalmutter ist meist 30 cm lang, wird höchstens 52 cm lang und bringt im Winter lebende Junge zur Welt. Die Werte stammen aus FishBase, dem Rote-Liste-Zentrum, der Umweltprobenbank des Bundes, der Schutzstation Wattenmeer, dem Dänischen Fischatlas (Dänemark) und der HELCOM, der Helsinki-Kommission für den Ostseeraum. Weichen die Quellen voneinander ab, steht die Spanne in der Tabelle.
| Merkmal | Aalmutter (Zoarces viviparus) |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Zoarces viviparus (Linnaeus, 1758) |
| Weitere Namen | englisch Eelpout, dänisch Ålekvabbe |
| Familie, Ordnung | Zoarcidae, Barschartige (Perciformes) |
| Länge | üblich 30 cm, Höchstwert 52 cm (jeweils Gesamtlänge, FishBase); Schutzstation Wattenmeer: meist 30 cm, selten bis 50 cm |
| Gewicht | höchstes veröffentlichtes Gewicht 510 g (FishBase); größte dokumentierte Aalmutter Dänemarks: 42 cm und 325 g (Dänischer Fischatlas) |
| Alter | höchstes berichtetes Alter 10 Jahre (FishBase); Dänischer Fischatlas: in Estland bis 14 Jahre, nur ein kleiner Teil wird älter als 4 bis 5 Jahre |
| Geschlechtsreife | bei 17 cm Länge, Spanne 16 bis 18 cm (FishBase); im 2. oder 3. Lebensjahr (Dänischer Fischatlas); mit 1 bis 2 Jahren (HELCOM) |
| Fortpflanzung | lebendgebärend; Paarung im August und September mit innerer Befruchtung; Geburt von Dezember bis Februar (HELCOM) oder bis März (Dänischer Fischatlas) |
| Zahl der Jungen | 30 bis 400 Junge von 35 bis 55 mm Länge (FishBase, HELCOM); Dänischer Fischatlas: normal 25 bis 200; Schutzstation Wattenmeer: 25 bis 100 |
| Lebensraum | Boden flacher Küstengewässer in Meer- und Brackwasser; 0 bis 40 m Tiefe, meist 2 bis 20 m (FishBase) |
| Verbreitung | Nordostatlantik vom Weißen Meer bis zum Ärmelkanal, dazu Nord- und Ostsee |
| Nahrung | Schnecken, Zuckmückenlarven, Krebse, Fischeier und Fischbrut (FishBase) |
| Raub- oder Friedfisch | Bodenfisch, der überwiegend wirbellose Tiere frisst; kein ausgesprochener Raubfisch |
| Gefährdung | Rote Liste Meeresfische Deutschland 2025: ungefährdet; Ostsee: Vorwarnliste (HELCOM 2013); IUCN: nicht bewertet |
Was ist eine Aalmutter? Ein lebendgebärender Bodenfisch an Nord- und Ostseeküsten
Die Aalmutter (Zoarces viviparus) ist ein langgestreckter Bodenfisch aus der Familie der Zoarcidae, der in flachen Küstengewässern lebt und voll entwickelte Junge zur Welt bringt (FishBase, Umweltprobenbank des Bundes). Der Gattungsname Zoarces geht auf das griechische Wort zoarkes zurück und bedeutet sinngemäß lebensspendend; der Artname viviparus bedeutet lebendgebärend (Dänischer Fischatlas, Dänemark). Der Duden führt die Aalmutter als weibliches Substantiv, der Plural lautet Aalmuttern.
Woher hat die Aalmutter ihren Namen?
Nach Duden geht der Name auf die Ähnlichkeit der Jungfische mit jungen Aalen zurück. Die Schutzstation Wattenmeer erklärt ihn mit der früheren Vorstellung, die Aalmutter sei die Mutter der Aale, weil die Fortpflanzung des Aals lange unbekannt war. Der Dänische Fischatlas (Dänemark) belegt diese Vorstellung mit dänischen Namen wie Ålemoder und mit Quellen von 1624 und 1763. Die Aalmutter ist kein Aal: Der Aal gehört in eine andere Ordnung, die Aalartigen (Anguilliformes, FishBase).
Woran erkennt man eine Aalmutter? Langer Flossensaum, große Brustflossen, Kerbe in der Rückenflosse
Eine Aalmutter erkennt man am langgestreckten, nach hinten schmaler werdenden Körper, an einem Flossensaum, der vom Kopf bis zur Schwanzspitze reicht, und an einer Einkerbung der Rückenflosse kurz vor ihrem Ende (Probenahmerichtlinie der Umweltprobenbank). Die Brustflossen sind etwa so groß wie der Kopf, die Bauchflossen dagegen stark verkümmert; die Brustflossen können orange gerandet sein (Schutzstation Wattenmeer). Die kleinen glatten Schuppen liegen tief im Schleim, eine Schwimmblase fehlt.
Die Färbung passt sich dem Untergrund an: Fische aus sandigem Seegrasgrund sind überwiegend gelbgrün bis gelbbraun, Fische von Schlamm- oder Rotalgengrund graubraun bis schwarzbraun. Über Rücken und Rückenflosse verlaufen dunkle Querbinden, die Bauchseite ist gelblich weiß (Probenahmerichtlinie der Umweltprobenbank). Ein weiteres Merkmal zeigt sich erst beim Zerlegen: die grünen Gräten.
Wie groß wird eine Aalmutter? Üblich 30 cm, höchstens 52 cm
Eine Aalmutter ist üblicherweise 30 cm lang und wird höchstens 52 cm lang; beide Werte nennt FishBase als Gesamtlänge (TL, Schnauzenspitze bis Schwanzende). Die Schutzstation Wattenmeer schreibt ebenfalls „meist 30, selten bis 50 cm“, die HELCOM nennt für erwachsene Tiere 20 bis 40 cm. Das höchste veröffentlichte Gewicht beträgt 510 g (FishBase). Weibchen werden größer als Männchen (Dänischer Fischatlas).
Gibt es Aalmuttern mit 60 cm?
Belegt sind 60 cm nicht. Der Dänische Fischatlas (Dänemark) führt die Angabe von etwa 60 cm in älterer Literatur auf eine ungenaue englische Quelle zurück, die zwei Exemplare von knapp zwei englischen Fuß (61 cm) erwähnt, und hält sie nicht für einen ausreichenden Beleg. Die größte dokumentierte Aalmutter Dänemarks war 42 cm lang und wog 325 g; sie wurde am 12. März 1983 im Großen Belt gefangen. Ein Eintrag von 55 cm in der Datenbank des Atlas ist nicht dokumentiert und nach Einschätzung des Atlas vermutlich ein Eingabefehler.
Wie alt wird eine Aalmutter und wann ist sie geschlechtsreif? Bis 10 Jahre, ab dem 2. Lebensjahr
Eine Aalmutter wird nach FishBase höchstens 10 Jahre alt. Der Dänische Fischatlas nennt als Höchstalter meist 8 bis 10 Jahre und für Estland 14 Jahre; nur ein kleiner Teil der Fische wird älter als 4 bis 5 Jahre. Die HELCOM gibt eine Lebensspanne von etwa 5 bis 14 Jahren an. Geschlechtsreif werden Aalmuttern nach FishBase bei 17 cm Länge (Spanne 16 bis 18 cm), nach dem Fischatlas im 2. oder 3. Lebensjahr, nach der HELCOM die Männchen mit einem Jahr und die Weibchen mit ein bis zwei Jahren.
Das Wachstum ist nach dem Dänischen Fischatlas, der sich auf Wheeler (1969) stützt, zunächst schnell: Jungfische messen im ersten Herbst etwa 10 cm, mit einem Jahr etwa 14 cm, mit zwei Jahren etwa 20 cm, mit drei Jahren etwa 27 cm und mit vier Jahren etwa 32 cm. Andere Studien zeigen, dass die Tiere 3 bis über 6 Jahre brauchen, um 25 cm zu erreichen.
Wie bekommt die Aalmutter ihre Jungen? Lebendgebärend nach vier bis fünf Monaten Tragzeit
Die Aalmutter bringt voll entwickelte Junge zur Welt: Die Eier werden im Körper des Weibchens befruchtet und entwickeln sich dort, bis die Jungen geboren werden (FishBase, Umweltprobenbank des Bundes). Die Paarung findet im August und September statt (FishBase, HELCOM). Die Eier schlüpfen nach dem Dänischen Fischatlas nach 2 bis 3 Wochen im Körper des Weibchens, nach FishBase dauert die Eientwicklung einen Monat. In den ersten etwa sechs Wochen leben die Jungen vom Dottersack, danach nehmen sie Nährstoffe, Vitamine, Mineralien und Sauerstoff über Follikel in der Wand des Eierstocks auf (Dänischer Fischatlas).
Die Tragzeit beträgt nach dem Fischatlas etwa vier Monate, nach FishBase fünf Monate und nach der Schutzstation Wattenmeer drei bis sechs Monate. Die Jungen kommen meist von Dezember bis Februar (HELCOM) oder bis März (Fischatlas) zur Welt, sind 35 bis 55 mm lang (FishBase) und sofort selbständig (Schutzstation Wattenmeer). Im Frühjahr tauchen sie in Wattpfützen auf Muschelbänken auf. Im südwestlichen Wattenmeer wurden allerdings auch von April bis Juli trächtige Weibchen gefunden (Dänischer Fischatlas, nach Heessen 2015).
Wie viele Junge bekommt eine Aalmutter?
Ein Weibchen bringt nach FishBase und HELCOM 30 bis 400 Junge zur Welt. Die Zahl hängt stark von der Größe des Weibchens ab; der Dänische Fischatlas nennt als Extreme 5 und 405 Junge und als Normalbereich 25 bis 200, die Schutzstation Wattenmeer 25 bis 100. Nicht jedes geschlechtsreife Weibchen bekommt jedes Jahr Junge (Dänischer Fischatlas).
Wo lebt die Aalmutter? In flachen Küstengewässern bis etwa 40 m Tiefe
Die Aalmutter lebt am Boden flacher Küstengewässer von Nord- und Ostsee, meist in 2 bis 20 m Tiefe und höchstens bis etwa 40 m (FishBase). Sie bevorzugt Steingrund, Tang, Seegras und Muschelbänke und hält sich gern in der Nähe von Algenbüscheln oder Steinen auf (Schutzstation Wattenmeer, Dänischer Fischatlas). Sie kann unter Steinen oder Tang auch außerhalb des Wassers bleiben und atmet dort Luft (FishBase). Das Verbreitungsgebiet reicht im Nordostatlantik vom Weißen Meer und der südlichen Barentssee bis zum Ärmelkanal; in der Ostsee kommt sie bis in den nördlichen Bottnischen und den Finnischen Meerbusen vor (Dänischer Fischatlas).
Nach der Schutzstation Wattenmeer und dem Dänischen Fischatlas gilt die Aalmutter als ortstreu und kaum wandernd. Neuere genetische Untersuchungen deuten auf mehr Wanderung als früher angenommen: In der Ostsee fand sich auf Entfernungen bis 90 km kein genetischer Unterschied (HELCOM, Umweltprobenbank des Bundes).
Lebt die Aalmutter im Süßwasser?
Normalerweise nicht: Sie lebt in Meer- und Brackwasser, toleriert aber große Schwankungen des Salzgehalts. In der inneren Ostsee lebt sie bei unter 5 Promille Salz, im Norden und Westen ihres Verbreitungsgebiets bei etwa 35 Promille. Für begrenzte Zeit überlebt sie sogar in reinem Süßwasser; ausgesetzte Tiere wurden in einem kleinen See bei Køge noch Monate später beobachtet (Dänischer Fischatlas, Dänemark).
Was frisst die Aalmutter? Schnecken, Zuckmückenlarven und Krebse
Die Aalmutter frisst vor allem kleine wirbellose Tiere: Schnecken, Zuckmückenlarven und Krebse, dazu Fischeier und Fischbrut (FishBase). Im Wattenmeer nennt die Schutzstation Wattenmeer Garnelen, Flohkrebse und Borstenwürmer; die Umweltprobenbank beschreibt die Nahrung als überwiegend bodenlebende Wirbellose und nennt im Sommer auch Wasserflöhe und Ruderfußkrebse. Der Dänische Fischatlas führt außerdem Miesmuscheln, kleine Grundeln und kleine Plattfische auf. Die Aalmutter jagt als Lauerjäger und schnellt mit den großen Brustflossen vor (Schutzstation Wattenmeer); sie ist tags und nachts aktiv, kommt aber vor allem nachts aus ihrem Versteck (Dänischer Fischatlas). Junge Aalmuttern fressen Ruderfußkrebse, kleine Borstenwürmer und Schneckenbrut; die Schutzstation berichtet, dass erwachsene Tiere auch eigene Junge fressen, wenn diese sich nicht verstecken oder abwandern.
Warum sind die Gräten der Aalmutter grün? Wegen Biliverdin
Die Gräten der Aalmutter sind grün, weil sie den blaugrünen Gallenfarbstoff Biliverdin enthalten, ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs. Jüttner, Stiesch und Ternes wiesen ihn 2013 in der Fachzeitschrift European Food Research and Technology in den kollagenreichen Geweben von Aalmutter und Hornhecht nach (UV-Vis- und FTIR-Spektroskopie, HPLC-MS/MS). Mengen haben sie nur für den Hornhecht bestimmt, etwa 61,7 µg/g in der Knochenhaut. Bei der Aalmutter ist die Knochenhaut so dünn, dass sie sich nicht sauber abtrennen ließ, und es stand nur wenig Material zur Verfügung.
FishBase, der Dänische Fischatlas, die Schutzstation Wattenmeer und die Probenahmerichtlinie der Umweltprobenbank nennen dagegen als Ursache Vivianit, ein Eisenphosphat. Die Untersuchung von 2013 fand für Vivianit keinen Hinweis: Eisen- und Phosphatgehalte der grünen Gewebe sprachen dagegen. Mehrere Quellen schreiben, die Gräten würden erst beim Kochen grün; Jüttner und Kollegen fanden keine wissenschaftliche Veröffentlichung, die einen Zusammenhang zwischen der Farbentstehung und höherer Temperatur belegt. Hinweise auf gesundheitliche Risiken durch die Färbung nennt keine der gelesenen Quellen; FishBase bezeichnet das Pigment als harmlos, nennt dabei aber ebenfalls Vivianit.
Ist die Aalmutter essbar? Ja, aber kaum im Handel
Ja, die Aalmutter ist essbar, wird aber kaum gehandelt: Jüttner et al. (2013) bezeichnen Aalmutter und Hornhecht als essbar und die Aalmutter als kaum im Handel erhältlich. FishBase führt sie als für Menschen ungefährlich (harmless) und mit geringer kommerzieller Nutzung; giftig ist sie nach keiner der gelesenen Quellen. Nach der Schutzstation Wattenmeer schmeckt sie gegart oder geräuchert gut, ist wegen der Grätenfarbe aber kaum verkäuflich. Eine Verzehrempfehlung einer Behörde haben wir für die Aalmutter nicht gefunden.
Wurde die Aalmutter früher gegessen?
Ja, vor allem örtlich: In Dänemark hatte die Aalmutter traditionell keine große Bedeutung als Speisefisch, und nach Krøyer (1838 bis 1840) verachtete man sie wegen der grünen Knochen und der lebenden Jungen (Dänischer Fischatlas, Dänemark). Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Aalmuttern aus Dänemark nach Deutschland exportiert; in den 1970er Jahren verkauften dänische Fischhändler sie gehäutet und kochfertig, und heute sieht man sie dort nur noch selten im Fischgeschäft.
Ist die Aalmutter eine Quappe? Nein, und auch kein Aal
Nein, die Aalmutter ist keine Quappe: Die Quappe (Lota lota) lebt im Süßwasser, legt Eier und gehört zu den Dorschartigen, die Aalmutter lebt im Meer, bringt lebende Junge zur Welt und gehört zu den Barschartigen. Verwechslungen entstehen durch die Namen: Als Handelsbezeichnung steht Aalquappe in der EU-Liste für Deutschland für die Quappe, Aalmutter dagegen für Zoarces viviparus.
| Merkmal | Aalmutter | Quappe | Aal |
|---|---|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Zoarces viviparus | Lota lota | Anguilla anguilla |
| Familie, Ordnung | Zoarcidae, Barschartige (Perciformes) | Lotidae, Dorschartige (Gadiformes) | Anguillidae, Aalartige (Anguilliformes) |
| Lebensraum | Meer- und Brackwasser der Küsten | Süßwasser, auch Brackwasser | Meer, Brack- und Süßwasser (katadrom) |
| Fortpflanzung | lebendgebärend, Junge 35 bis 55 mm | Eier, Laichzeit November bis März bei unter 6 °C | Laichgebiet in der Sargassosee |
| Höchstlänge (TL) | 52 cm | 152 cm | 133 cm (Weibchen) |
| Erkennungsmerkmal | Kerbe in der Rückenflosse, große Brustflossen, kleine Bauchflossen, Flossensaum bis zur Schwanzspitze | ein Bartfaden am Kinn; zweite Rückenflosse mindestens sechsmal so lang wie die erste | keine Bauchflossen; Rücken-, Schwanz- und Afterflosse bilden einen Saum |
Die Angaben zu Quappe und Aal stammen aus FishBase, die zur Aalmutter aus FishBase, der Probenahmerichtlinie der Umweltprobenbank und dem Dänischen Fischatlas. Mehr zum Aal lesen Sie unter Aal: Steckbrief.
Wie unterscheidet sich die Aalmutter vom Butterfisch?
Der Butterfisch hat zwölf runde Augenflecken am Rücken und ist seitlich flach gedrückt, die Aalmutter dagegen trägt meist dunklere senkrechte Streifen oder Ringe. Die Schutzstation Wattenmeer nennt beide Arten als Bewohner ähnlicher Lebensräume im Watt. Vom Flussaal unterscheidet sich die Aalmutter durch den nicht ganz so schlangenförmigen Körper und die Zeichnung, denn der Flussaal ist ungemustert (Schutzstation Wattenmeer).
Ist die Aalmutter gefährdet? In Deutschland ungefährdet, in der Ostsee auf der Vorwarnliste
In Deutschland gilt die Aalmutter nach der Roten Liste der Meeresfische von 2025 als ungefährdet; die aktuelle Bestandssituation ist mäßig häufig, der lang- und der kurzfristige Bestandstrend stabil, und die Kategorie ist gegenüber der vorherigen Liste unverändert (Thiel et al. 2025, Rote-Liste-Zentrum). Für die Ostsee verweist das Rote-Liste-Zentrum auf die HELCOM, bei der die Art 2013 für die gesamte Ostsee auf der Vorwarnliste (Near Threatened) stand. Grundlage waren schwedische Monitoringreihen, in denen zwei von vier Gebieten Rückgänge von mehr als 50 Prozent in rund 20 Jahren zeigten. Die Ursachen sind unbekannt; die HELCOM nennt Klimawandel (die Aalmutter ist eine Kaltwasserart), Schadstoffe, Fraß durch Kormoran und Dorsch sowie Beifang als mögliche Faktoren. Die IUCN hat die Art weltweit nicht bewertet (FishBase).
Bedroht die Schwarzmundgrundel die Aalmutter?
Das ist möglich, aber nicht belegt. Die HELCOM nennt die eingeschleppte Schwarzmundgrundel als mögliche Gefahr, weil sich die Lebensräume überlappen. Der Dänische Fischatlas (Dänemark) berichtet, dass in Reusen gemeinsam gefangene Aalmuttern oft so viele Bissspuren von Schwarzmundgrundeln tragen, dass sie nicht überleben; für eine sichere Aussage sei es noch zu früh.
Warum nutzt der Bund die Aalmutter als Umweltindikator?
Die Aalmutter ist ein Bioindikator, weil sie lebendgebärend und ortstreu ist: Sie reichert Schadstoffe an und zeigt Störungen der Fortpflanzung an, die sich dem Muttertier und dem Standort zuordnen lassen (Umweltprobenbank des Bundes, HELCOM). Die Umweltprobenbank des Bundes, die das Umweltbundesamt koordiniert, beprobt sie einmal im Jahr im Frühsommer von Mai bis Juni oder Juli, vor der Paarung. Probenahmegebiete sind der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft an der Ostsee und das Wattenmeer an der Nordsee. Untersucht werden Muskulatur und Leber; die Muskulatur ist der essbare Teil des Fisches und stellt die Verbindung zur Nahrungskette des Menschen her.
Schweden schlug die Aalmutter 1991 bei der HELCOM als Bioindikator vor. Für sie sprechen nach der Probenahmerichtlinie die weite Verbreitung in Europa, der Aufenthalt in küstennahem Flachwasser, die Toleranz gegenüber Temperatur und Salzgehalt, auch in belasteten Flussmündungen, und die leichte Bestimmbarkeit. Im Wattenmeer fällt sie als Beifang der Garnelenfischerei an, an der Ostseeküste wird sie mit Reusen gefangen; je Probenahmefläche sind mindestens 20 Tiere nötig.
Kann man Aalmuttern angeln? Meist als Beifang an Hafenmolen
Ja, meist als Beifang: Nach dem Dänischen Fischatlas (Dänemark) fangen Angler die Aalmutter regelmäßig als Beifang, etwa beim Plattfischangeln von Hafenmolen; gezielt auf sie angeln nur wenige. Ganz kleine Aalmuttern dienten dort vor allem als Köder an Aalleinen, größere beim Dorschfischen, und in geringerem Umfang wird sie bis heute so genutzt. Welche Regeln in Deutschland gelten, zeigt der nächste Abschnitt.
Schonzeit und Mindestmaß für die Aalmutter in allen 16 Bundesländern: nur Schleswig-Holstein regelt sie
Nur Schleswig-Holstein führt die Aalmutter in seiner Küstenfischereiverordnung mit Schonzeit und Mindestmaß auf; in den ausgewerteten Verordnungen der übrigen 15 Bundesländer wird sie nicht genannt.
| Bundesland | Schonzeit | Mindest-/Entnahmemaß | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Bayern | nicht aufgeführt | – | – |
| Baden-Württemberg | nicht aufgeführt | – | – |
| Berlin | nicht aufgeführt | – | – |
| Brandenburg | nicht aufgeführt | – | – |
| Bremen | nicht aufgeführt | – | – |
| Hamburg | nicht aufgeführt | – | – |
| Hessen | nicht aufgeführt | – | – |
| Mecklenburg-Vorpommern | nicht aufgeführt | – | – |
| Niedersachsen | nicht aufgeführt | – | – |
| Nordrhein-Westfalen | nicht aufgeführt | – | – |
| Rheinland-Pfalz | nicht aufgeführt | – | – |
| Saarland | nicht aufgeführt | – | – |
| Sachsen | nicht aufgeführt | – | – |
| Sachsen-Anhalt | nicht aufgeführt | – | – |
| Schleswig-Holstein | 15.09.–31.01. | 23 cm | Küstengewässer (KüFVO Anlage 1) |
| Thüringen | nicht aufgeführt | – | – |
Eine von 16 Landesfischereiverordnungen führt die Art auf. „Nicht aufgeführt“ heißt: Die Verordnung nennt für die Art weder Schonzeit noch Mindestmaß; allgemeine Regeln wie Schonbezirke gelten trotzdem. Die Gewässerordnung Ihres Erlaubnisscheins kann strengere Regeln festlegen; maßgeblich ist der amtliche Verordnungstext.
Rechtsgrundlagen und Prüfdatum
Die Regeln des Landes finden Sie unter Schonzeiten in Schleswig-Holstein, einen Überblick unter Schonzeiten in Deutschland und allgemeine Informationen zur Erlaubnis unter Angelschein.
Woher stammen die Zahlen in diesem Steckbrief?
Die Zahlen stammen aus FishBase (Artenseiten zu Aalmutter, Quappe und Aal), dem Artensteckbrief des Rote-Liste-Zentrums zur Roten Liste der marinen Fische und Neunaugen (Thiel et al. 2025), der Untersuchung zum Biliverdin von Jüttner, Stiesch und Ternes (2013), dem Steckbrief und der Probenahmerichtlinie der Umweltprobenbank des Bundes (Stand der Richtlinie: März 2018), dem Atlas über dänische Salzwasserfische von Carl und Møller (2017, Statens Naturhistoriske Museum, Dänemark), dem Artenblatt der HELCOM zur Roten Liste der Ostsee (2013), dem Tier des Monats der Schutzstation Wattenmeer, der EU-Liste der Handelsbezeichnungen für Fisch und dem Duden. Wo Quellen voneinander abweichen, nennt der Text die Spannweite samt Quellen. Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026.
Weiterlesen
- Aal: Steckbrief
- Hornhecht: Steckbrief
- Meeresfische: Liste aller Arten
- Schonzeiten in Schleswig-Holstein
- Alle Fischarten im Überblick
Häufige Fragen
Ist die Aalmutter essbar?
Ja, die Aalmutter ist essbar, wird aber kaum gehandelt: Jüttner et al. (2013) bezeichnen sie als essbar und kaum im Handel erhältlich. FishBase führt sie als für Menschen ungefährlich, giftig ist sie nach keiner der gelesenen Quellen. Nach der Schutzstation Wattenmeer schmeckt sie gegart oder geräuchert gut, ist wegen der grünen Gräten aber kaum verkäuflich. Eine Verzehrempfehlung einer Behörde haben wir nicht gefunden.
Was ist eine Aalmutter?
Die Aalmutter (Zoarces viviparus) ist ein langgestreckter, lebendgebärender Bodenfisch der Küsten von Nord- und Ostsee: Die Jungen kommen voll entwickelt zur Welt (Umweltprobenbank des Bundes). Sie ist meist 30 cm lang, wird höchstens 52 cm lang (Gesamtlänge, FishBase) und gehört zur Familie der Zoarcidae.
Ist die Aalmutter eine Quappe?
Nein, die Aalmutter ist keine Quappe. Die Quappe (Lota lota) lebt im Süßwasser, legt Eier und gehört zu den Dorschartigen; die Aalmutter lebt im Meer, bringt lebende Junge zur Welt und gehört zu den Barschartigen (FishBase). Zur Verwechslung trägt der Name bei: Als Handelsbezeichnung steht Aalquappe in der EU-Liste für Deutschland für die Quappe, Aalmutter für Zoarces viviparus.
Wie viele Junge bekommt eine Aalmutter?
Ein Weibchen bringt nach FishBase und HELCOM 30 bis 400 Junge von 35 bis 55 mm Länge zur Welt. Der Dänische Fischatlas (Dänemark) nennt als Normalbereich 25 bis 200 Junge, die Schutzstation Wattenmeer 25 bis 100; die Zahl hängt stark von der Größe des Weibchens ab. Die Jungen kommen meist von Dezember bis Februar zur Welt.
Wie groß wird eine Aalmutter?
Eine Aalmutter ist üblicherweise 30 cm lang und wird höchstens 52 cm lang; beide Werte nennt FishBase als Gesamtlänge. Das höchste veröffentlichte Gewicht beträgt 510 g. Die größte dokumentierte Aalmutter Dänemarks war 42 cm lang und wog 325 g (Dänischer Fischatlas, Dänemark); Angaben von 60 cm gelten dort als nicht ausreichend belegt.
Wo lebt die Aalmutter?
Die Aalmutter lebt am Boden flacher Küstengewässer von Nord- und Ostsee, meist in 2 bis 20 m Tiefe und höchstens bis etwa 40 m (FishBase). Sie bevorzugt Steingrund, Tang, Seegras und Muschelbänke und toleriert Meer- und Brackwasser; in der inneren Ostsee lebt sie bei unter 5 Promille Salz (Dänischer Fischatlas).
Quellen
- FishBase: Zoarces viviparus Linnaeus, 1758 (Eelpout), Summary (abgerufen am 06.10.2026)
- FishBase: Lota lota (Linnaeus, 1758) (Burbot), Summary (abgerufen am 06.10.2026)
- FishBase: Anguilla anguilla (Linnaeus, 1758) (European eel), Summary (abgerufen am 06.10.2026)
- Rote-Liste-Zentrum: Artensteckbrief Zoarces viviparus (Aalmutter), nach Thiel et al. (2025), Rote Liste und Gesamtartenliste der Fische und Neunaugen der marinen Gewässer Deutschlands, Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (9) (abgerufen am 06.10.2026)
- Jüttner, F., Stiesch, M., Ternes, W. (2013): Biliverdin: the blue-green pigment in the bones of the garfish (Belone belone) and eelpout (Zoarces viviparus). European Food Research and Technology 236 (6): 943-953 (abgerufen am 06.10.2026)
- Umweltprobenbank des Bundes (Umweltbundesamt): Steckbrief Probenart Aalmutter (abgerufen am 06.10.2026)
- Umweltprobenbank des Bundes (Klein, Paulus, Tarricone, Teubner, Universität Trier): Richtlinie zur Probenahme und Probenbearbeitung Aalmutter (Zoarces viviparus), Stand März 2018, V 2.0.3 (abgerufen am 06.10.2026)
- Dänemark: Carl, H. & Møller, P. R. (2017): Atlas over danske saltvandsfisk, Ålekvabbe. Statens Naturhistoriske Museum (Fiskeatlas) (abgerufen am 06.10.2026)
- HELCOM (Helsinki-Kommission, Ostseeraum): Red List Species Information Sheet, Zoarces viviparus (2013) (abgerufen am 06.10.2026)
- Schutzstation Wattenmeer: Tier des Monats Mai, Die Aalmutter (Zoarces viviparus) (abgerufen am 06.10.2026)
- Europäische Kommission: Handelsbezeichnungen für Fische und Meeresfrüchte, Liste Deutschland (Aalmutter, Aalquappe) (abgerufen am 06.10.2026)
- Duden: Aalmutter (Genus, Plural, Herkunft) (abgerufen am 06.10.2026)